Milch versus Vegan

Kritische Stimmen in der Hare-Krishna-Bewegung zum Thema Kuhmilch

| 9. September 2009 | 0 Kommentare
Durch Milchtrinken nehmen wir unweigerlich Teil an einem mörderischen Kreislauf der Milch- und Schlachtindustrie. Kann man dieses Problem lösen? Hier wurde darüber gesprochen.
Kritik am Milchkonsum
Durdhara Dasa: „Kälber werden nur deswegen geschlachtet, damit der Bauer weiter eine große Menge Milch liefern kann. Ein milchtrinkender Hare-Krishna-Devotee ist für das Leid dieser Tiere mitverantwortlich. Einfach nur die Milch Krishna zu weihen, reicht nicht…“ [>>>]
Informieren statt boykottieren
Shivatma Dasa & Paramshreya Dasa: „Wenn man Milch konsumiert, ist man den Kühen zweifelsohne verschuldet. Eine Möglichkeit, die Schuld zu begleichen, ist, dass man die Menschen über die Wichtigkeit des Kuhschutzes informiert. Nur vegan zu leben ist nicht ausreichend…“ [>>>]
Wo ist das Gesamtpaket?
Parivadi Dasa: „Als Nachfolger Srila Prabhupadas müssen wir das „Gesamtpaket“ annehmen, und dazu gehört eben auch das Thema Kuhschutz. Wer guten Gewissens Milch konsumieren möchte, muss sich gleichzeitig auf effektive Art für den Kuhschutz einsetzen…“ [>>>]
Veganer werden ist nicht die Lösung
Shivarama Swami: „Die Lösung ist nicht, dass man einfach ein Veganer wird, d.h. aufhört, Milch zu trinken. Richtiger ist es, Milch zu trinken, die unter den korrekten Umständen gewonnen wird…“ [>>>]
Der individuelle „Milch-Käse-Level“ Durdhara Dasa: „Jeder muss seinen Milch-Käse-Level finden, mit dem man im Krishna-Bewusstsein glücklich ist. Krishna-Bewusstsein ist wichtiger als reines Gesundheitsbewusstsein. Ich lebe mittlerweile wieder 100% vegan und merke dass es besser ist, weil ich zumindest nicht die Ursache von zukünftigem Tierleid sein möchte…“ [>>>]
Laßt uns praktisch werden!
Shivatma Dasa & Paramshreya Dasa: „Eine Art des Kuhschutzes ist die praktische Mithilfe an einem landwirtschaftlichen Projekt, zu dem auch Kuhschutz und Milchgewinnung gehört. Eine andere Form des Kuhschutzes ist die systematische Aufklärungsarbeit innerhalb der Bevölkerung…“ [>>>]
Kritik am Milchkonsum

Von Durdhara Dasa

(Ehemaliger Buchverteiler aus Köln)

Ich habe gerade euer letztes Gour-Ni-Times gelesen, was ich für ein gelungenes Magazin halte, gerade auch für die „Straßenverteilung.“Eine Sache auf der Leser stellen Fragen-Seite bezüglich veganer Ernährung sehe ich allerdings etwas anders. Es mag zwar stimmen, dass die Kuh einen minimalen Fortschritt macht, wenn die Gottgeweihten ihre Milch zu Krishna opfern. Aber was ist mit den Kälbern? Die werden nämlich nur deswegen geschlachtet, damit der Bauer weiter eine große Menge Milch liefern kann. Ein Devotee , der, sagen wir mal vier Liter Milch am Tag zu sich nimmt – und diese Menge hat man sehr schnell zusammen, wenn man Käse isst (z.B. zwei Mozzarella) – nimmt einem Kalb buchstäblich das Essen weg. Damit ist man für das Leid dieses Tieres mitverantwortlich. Da nützt es auch nichts zu sagen, dass man die Milch Krishna opfert. Mit der gleichen Mentalität könnte man ja auch Leute ausrauben und den Gewinn dann einem Tempel geben. Überdies sehe ich, dass vielen Gottgeweihten Tierschutz völlig egal ist. Die nehmen oft ungehemmt immense Mengen Milchprodukte zu sich, in dem Glauben, durch ein paar Mantras wird alles O.K. So einfach ist das aber nicht. Würde Krishna Kälber schlachten lassen, nur um Milch trinken zu können? Kein Bauer hört damit auf Kälber zu töten, nur weil wir bei ihm Milch kaufen. Wir geben diesen Leuten sogar noch ein gutes Gewissen und dafür bekommen wir Reaktionen. Abgesehen davon ist Milch für fast 75% der Weltbevölkerung, aufgrund eines Mangels an dem Laktose-Enzym, nicht verdaulich und kann bei diesen Menschen alle möglichen Krankheiten verursachen (Krebst, Diabetes, Neurodermitis usw.). Lecithin, welches in Kuhmilch enthalten ist und für die Gehirnentwicklung notwendig ist, kann man auch in Form von Soja-Lecithin zu sich nehmen, Kalzium in Form von Nüssen. Milch enthält einen hohen Anteil an Cholesterin und gesättigten Fetten, die ein weiteres Risiko für die Gesundheit sind. Und die feinstoffliche Information, die in Milch enthalten ist und die von gequälten Kühen kommt, die voller Krankheiten den Verlust Ihres Kalbes bedauern, ist bestimmt nicht förderlich für das Verständnis spiritueller Themen.Meine Konsequenz ist deshalb, unter den heutigen gegebenen Umständen: Veganismus ist besser als Lakto-Vegetarismus. Seitdem ich vegan bin, geht es mir nicht nur körperlich, sondern auch psychisch besser. Es kommt mir vor, als wäre ich von einer schweren karmischen Last befreit worden, die ich seit vielen Jahren mit mir rumgeschleppt habe. Der Geist ist frischer und leichter zu beherrschen – zumindest in meinem Fall. Ayurveda kommt aus Indien vor 3000 Jahren. Man kann diese und andere vedische Schriften nicht 1:1 in die heutige Zeit in den Westen übertragen sondern muss sehen, was förderlich und was nachteilig für spirituelle Entwicklung ist. Übrigens, Srila Prabhupada sagte in einer „Morningwalk Conversation“ [Unterhaltung während eines Morgenspaziergangs] am 30.04.1973 in Los Angeles auf die Feststellung seines Schülers Bhaktisvarupa-Damodara Goswami hin, dass so viele Menschen, aus gesundheitlichen Gründen, Soja-Milch und keine Kuhmilch trinken: „Yes. Milk will disappear“ [„Ja, die Milch wird verschwinden“]. Probiert es doch mal vegan. Ansonsten ist das Magazin O.K. und bestimmt auch gut für die breite Öffentlichkeit

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Informieren statt boykottieren

Von Shivatma Dasa & Paramshreya Dasa

(Herausgeber des Gour-Ni-Times Magazins)

In vielen Punkten hat Durdhara durchaus recht und wir befinden uns zweifellos in einem Dilemma. Die Hare-Krishna-Devotees müssen sich wahrscheinlich über dieses Thema noch einige Gedanken machen. Auch wir haben nach Durdharas Brief unseren Milchkonsum stark heruntergeschraubt und haben tatsächlich auch einige ähnliche Erfahrungen gemacht, von denen er gesprochen hat. Wenn wir Milchprodukte verwenden, sollten wir dies sehr bewusst und mit sehr viel Achtung tun, und nicht, wie Durdhara es ungefähr sagst, „Unmengen von Milch mit ein paar Routine-Mantras zweckheiligen“. Auf der anderen Seite stellt sich wirklich die Frage, ob man den Kühen einen Gefallen tut, wenn man sie sozusagen „boykottiert“. Würde das Schlachten aufhören und wären die Kühe uns wirklich dankbar, wenn wir die Milch dem Höchsten Herrn nicht mehr darbringen? Dies kann unserer Meinung nach auch nicht die Lösung sein.

Wenn man Milch konsumiert, ist man den Kühen zweifelsohne verschuldet. Eine Möglichkeit, die Schuld zu begleichen, ist, dass man die Menschen über die Wichtigkeit des Kuhschutzes informiert. Nur vegan zu leben ist nicht ausreichend. Die Veden sagen uns: Ohne Kuhschutz und die Verkündung der brahmanischen Kultur kann der Mensch nicht zu wahrem Glück und Frieden finden. Mit der Verbreitung Krishna-bewusster Publikationen (wie z.B. Prabhupadas Bücher und brahmanische Magazine) soll in dieser Richtung ein bescheidener Versuch unternommen werden und wir freuen uns über jeden, der sich an diesen Aktivitäten auf irgendeine Weise beteiligen möchte.

Auch müssen wir die Tatsache akzeptieren, dass dieses Zeitalter des Kali ein Ozean voller Fehler ist. Es ist sehr schwierig, alle Regeln der vedischen Kultur 100 Prozent einzuhalten. Wir werden auch in der veganen Ernährung mit Sicherheit viele Fehler finden. Natürlich sollten wir uns nach besten Kräften bemühen. Der große Schutz für dieses Zeitalter ist jedoch die Sankirtana-Bewegung, das gemeinsame Chanten der heiligen Namen Krishnas. Ohne diesen Schutz sind wir dem Einfluss des Kali-Yugas letzten Endes hilflos ausgeliefert. Srila Prabhupada sagte zu diesem Thema:

„Dieses Zeitalter des Kali ist erfüllt mit unbegrenzt vielen Fehlern. Tatsächlich ist es wie ein Ozean voller Fehler (dosa-nidhi). Doch wir haben eine Chance, es gibt eine Möglichkeit. Kirtanad eva krishnasya mukta-sangam param vrajet: Einfach in dem wir den Hare-Krishna-Mantra chanten, können wir von der Verunreinigung des Kali-yugas befreit werden und in unseren ursprünglichen Körpern zurück nach Hause, zurück zu Gott gehen. Das ist die große Gelegenheit im Kali-yuga.“ Srimad-Bhagavatam 8.5.23, Erl.)

Unsere Hoffnung ist auch, dass sich ein paar vernünftige Landwirte und Milchbauern dieses Dilemmas bewusst werden und mit dem Wahnsinn aufhören, Kühe und Kälber schlecht zu behandeln und zu schlachten. Mit solchen frommen Milchbauern könnten die Hare-Krishna-Gottgeweihten (und auch andere Menschen, die an wirklich humaner Tierhaltung interessiert sind) einen „Vertrag“ schließen und ihre Milch nur von solchen Höfen beziehen. So hätte der Bauer genügend Kunden und könnte seinen Betrieb, trotz dämonischer Gesetze, am Leben halten. Vielleicht möchte ja auch ein Milchbauer ein Gottgeweihter werden und sich mit seiner Erfahrung auf dem Hare-Krishna-Landtempel im Bayerischen Wald („Siimhacalam“) einbringen.

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Wo ist das „Gesamtpaket“?

Von Parivadi Dasa

(Herausgeber der iskcon.de-Website)

Vielen Dank an Durdhara Prabhu, dass er dieses wichtige Thema im letzten Gour-Ni-Times zur Sprache gebracht hat. Die Antwort der Redaktion fand ich voll befriedigend, da hier eine sinnvolle Abwägung der Argumente stattfand. Srila Prabhupada äußerte einmal in einem seiner Briefe, dass er sich Nachfolger wünscht, die „independent thoughtful“ [eigenständig nachdenkend] mit solchen Sachverhalten umgehen sollen. Blindes Folgen entspricht nicht der Vaishnava-Theologie. Hridayananda Dasa Goswami führt in einem seiner aktuellen Vorträge über Moral aus, dass nicht jede aktuelle Problematik in den Schriften abschließend geklärt worden ist. Vielmehr müssen Entscheidungen oft individuell nach Zeit, Ort und Umständen getroffen werden. Ich selbst konnte zunächst lange nicht zu einem Ergebnis hinsichtlich des Milchkonsums kommen. Zum Glück gibt es so mutige Prediger wie Shivarama Swami (GBC-Sekretär für Ungarn), der eine klare Stellungnahme veröffentlicht hat, die meines Erachtens voll überzeugend ist. Hoffentlich wird sie von den GNT-Redakteuren veröffentlicht. Ich halte sie für einen wichtigen Schritt nach vorne zu einer verantwortungsvolleren Haltung eines Gottgeweihten. Shivarama Swami macht besonders den Punkt, dass wir als Nachfolger Srila Prabhupadas das „Gesamtpaket“ annehmen müssen, und dazu gehört eben auch das Thema Kuhschutz. Wer guten Gewissens Milch konsumieren möchte, muss sich gleichzeitig auf effektive Art für den Kuhschutz einsetzen. Man kann nicht einfach die Milch nehmen, ohne sich um die Lebewesen zu kümmern, die das möglich machen. Es ist nicht garantiert, dass Sri Krishna uns die Reaktionen erlässt, wenn wir die Milchprodukte vor dem Genuss Srila Prabhupada und Krishna anbieten (opfern), solange wir nicht für die gesamte Mission Srila Prabhupadas aktiv werden. Veganer können sich übrigens auch nicht freisprechen, wenn sie nicht aktiv etwas für den Schutz der Tiere beitragen. Im Strafrecht wird auch derjenige belangt, der nichts zur Verhinderung der Straftat tut. Die Rinder leiden, ob wir Veganer sind oder nicht. Als Bürger eines Staates erhalten wir einen Anteil der Reaktionen, die im Staat durch allgemein geduldetes Handeln anfällt, solange wir nichts dagegen tun. Das Verweigern von Milchprodukten ist kein aktiver Beitrag zur Beseitigung der Missstände. Außerdem verweigern wir den Tieren die Teilnahme am spirituellen Fortschritt, wenn wir ihre Milch nicht akzeptieren.

Die interessante Frage ist nun natürlich, was wir effektiv tun können. Gerade in unserer globalisierten Situation, in der die Landwirte durch die Bürokraten bevormundet, gegängelt und zur Ausbeutung der Tiere angeheizt werden, ist es fast aussichtslos, lediglich auf der grobstofflichen Ebene einige Tiere vor dem Metzger zu retten, obwohl das auf jeden Fall eine ehrenhafte Sache ist, die von Sri Krishna anerkannt wird. Die effektivste Methode, die Erlösung der Kreatur zu bewirken, ist das großangelegte Predigen der Vaishnava-Theologie [Sankirtana-Yajna]. Wenn wir auf diese Weise Sri Chaitanya zufrieden stellen, wird es zu einer Veränderung in der Gesellschaft kommen. Daher sollte jeder ernsthafte Mensch heutzutage ein Prediger werden, der zum Gesinnungswandel der Menschen beiträgt. Auch sollten wir ernste Versuche praktischen Kuhschutzes unterstützen, z. B. Hare-Krishna-Farmprojekte. Das ist Ehrensache!

Fazit: Wenn wir es uns einfach nur bequem machen und uns unsere Prasadam-Festmähler „reinziehen,“ dann sind wir in einer sehr unsicheren Situation. Wir sind dann die Genießer des hingebungsvollen Dienstes, was nicht zur Vollkommenheit führt. Die Gaudiya-Vaishnavas möchten den Genuss Sri Krishnas im Mittelpunkt sehen; und Sri Krishna freut sich eben besonders, wenn wir uns für die höhere Sache aufopfern. Wenn wir in einer solch hingegebenen Haltung auch maßvoll Milchprodukte akzeptieren, werden es uns die involvierten Tiere danken – denn sie haben nicht viel davon, wenn wir uns einfach nur die Mägen vollschlagen und nichts effektives für Srila Prabhupadas „GESAMTmission“ tun wollen.

Von der reinen spirituellen Ebene aus betrachtet kommen wir an folgender Problematik nicht vorbei: Um Erfolg im Yoga zu haben, müssen wir es lernen, unsere Zunge zu kontrollieren. Srila Prabhupada führt aus (Nektar der Unterweisung, Vers 1, Erläuterung):

„Im Allgemeinen sollen wir es der Zunge nicht gestatten, nach ihrer Wahl zu essen, sondern wir sollen sie beherrschen, indem wir Prasada zu uns nehmen. […] Wenn man jedoch Prasada annimmt, nur weil es gut schmeckt und folglich zu viel isst, fällt man ebenfalls dem Versuch zum Opfer, die Forderungen der Zunge zu befriedigen. Sri Chaitanya Mahaprabhu lehrte uns, sogar beim Essen von Prasada allzu wohlschmeckende Speisen zu vermeiden. Wenn wir der Bildgestalt Gottes im Tempel wohlschmeckende Speisen opfern in der Absicht, selbst solch köstliche Speisen zu essen, versuchen wir ebenfalls, die Forderungen der Zunge zu befriedigen. Und wenn wir die Einladung eines reichen Mannes mit dem Hintergedanken annehmen, dort mit wohlschmeckenden Speisen bewirtet zu werden, unternehmen wir den Versuch, die Forderungen der Zunge zu befriedigen. Im Chaitanya-charitamrita (Antya 6.227) heißt es:

jihvara lalase yei iti-uti dhaya
sisnodara-parayana krsna nahi paya

‚Derjenige, der hierhin und dorthin läuft, um seinen Gaumen zu befriedigen, und immerzu den Wünschen seines Magens und seiner Geschlechtsteile nachgibt, vermag Krishna nicht zu erreichen.‘ […]“

Aus dieser ausführlichen Abhandlung wird klar, dass ein ernsthafter Bhakti-Yogi in die „Akarma-Sicherheitszone“ kommt, wenn er eben gerade nicht an das Milch- oder Nichtmilchkonzept angehaftet ist. Ein ernsthafter Devotee akzeptiert das, was Krishna zur Verfügung stellt, und davon auch eher weniger als zuviel; denn es geht um die Loslösung von materiellem Genuss. In einer solch entsagten Geisteshaltung kann man sogar Fleisch essen, wenn es nichts anderes gibt; denn man möchte einfach nur Sri Krishna dienen und nicht die materiellen Sinne zufrieden stellen. Das nennt man Entsagung – eine hohe Ebene zugegebenermaßen.

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Veganer werden ist nicht die Lösung

Von Shivarama Swami

(Sannyasi-Meister und Mitbegründer eines spirituellen Farmprojekts in Ungarn)

Frage: Veganer behaupten, wir würden zur Massentierhaltung beitragen und dazu, dass Kälbern die Milch ihrer Mütter weggenommen wird. Wie sollen wir uns dazu äußern?

Antwort: Das sind zwei Sachverhalte. Eine Kuh gibt mehr Milch, als ein Kalb trinken kann, also nimmt man ihnen nicht zwangsläufig etwas weg. Dennoch sollte ein Kalb die Milch seiner Mutter trinken können, und das geschieht, wenn man sie auf natürliche Art und Weise in einer Goshala [ein vedischer Kuhstall] hält. Kälber trinken die Milch ihrer Mütter und die Kuh gibt mehr Milch. Wenn man ein Kalb so viel trinken ließe, wie es will, wird es krank.

Dahingegen ist das moderne System, Kühe zu halten und sie wiederholt zu besamen, damit sie beständig Milch geben, mit Sicherheit grausam. Man sollte es so ablaufen lassen wie von der Natur eingerichtet, d.h. so, wie es gut für die Kuh ist. Sie sollte demnach nicht immer wieder Milch geben müssen und nicht immer wieder besamt werden.

Die Lösung ist jedoch nicht, dass man einfach ein Veganer wird, d.h. aufhört, Milch zu trinken. Richtiger ist es, Milch zu trinken, die unter den korrekten Umständen gewonnen wird. Krishna trinkt Milch, sie ist Teil unserer Ernährung und go brahmana hitaya ca [Krishna ist der Freund der Kühe und der Brahmanas], eine gesamte Kultur gründet darauf. Wir wollen nicht darauf verzichten. Deswegen müssen wir Farmgemeinschaften haben, wie es Srila Prabhupada eingeführt hat, wo der Schutz der Kühe an erster Stelle steht. Aus diesem Grund sagte Srila Prabhupada, dass man so viele Kühe wie möglich halten sollte, was sehr viel verlangt ist.

Aber wenn wir es hinbekommen, möglichst viele Kühe zu halten und zu beschützen und wenn die Gottgeweihten und die Gemeindemitglieder sich fürsorglich um diese Kühe kümmern, dann können wir genügend Milch haben, um die Tempel, die Gemeinde und alle anderen mit Milch zu versorgen.

Dann steht man über dieser Kritik und man muss nicht sagen: “Nun ja, ich bin ein Hare Krishna, ich hab es Krishna geopfert und deshalb bekomme ich keine Reaktion darauf.” Es ist fragwürdig, ob man wirklich frei von der Reaktion ist. Warum?

Srila Prabhupada hat unmissverständlich erklärt, dass der Schutz der Kuh unsere Pflicht ist.
Krishna hat persönlich das Beispiel dafür gegeben. Nur weil wir Gottgeweihte sind, nur weil wir etwas Milch Krishna geopfert haben, denken wir, wir würden von der Reaktion für die Gewalt, die angewendet wird, um die Milch zu gewinnen, befreit werden. Man darf nicht vergessen, dass die Kuh, der Bulle und das Kalb später geschlachtet werden und dass man an diesem Vorgang teilgenommen hat. Wenn man solche Milch trinkt, steht man starken Argumenten gegenüber, Argumente, die man nicht widerlegen kann.

Deswegen hat uns Srila Prabhupada eine einfache Formel gegeben, wie wir diesem Argument begegnen können, sodass wir uns nicht irgendwie herauswinden müssen: Er lehrte uns den Schutz der Kuh, eine völlig friedfertige, gewaltlose und unbedenkliche Methode, Milch zu gewinnen. Deshalb frage ich euch wiederholt: Was tut ihr zum Schutz der Kuh?

[Vielen Dank an Karl Schimkowski für seine redaktionelle Mitarbeit]

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Der individuelle Milch-Käse-Level

Von Durdhara Dasa

Ich lebe nicht hundertprozentig vegan, da ich doch noch ab und zu Bio-Käse esse. Wenn ich längere Zeit überhaupt keinen Käse esse, fühle ich mich irgendwie unzufrieden. Ich denke, man muss einfach so seinen Milch-Käse-Level finden, mit dem man im Krishna-Bewusstsein glücklich ist. Aber man kommt auch schon mit sehr wenig Käse bzw. Milch aus. Ich selbst bin nun seit über zwei Jahren weitgehend Rohköstler und ernähre mich hauptsächlich von Früchten (mein Hauptnahrungsmittel), Samen; Nüssen und Salate. Ich denke Rohkost und frisch ausgepresste Säfte sind das Beste – vorausgesetzt, dass man Krishna dabei nicht vergisst! Krishna-Bewusstsein ist wichtiger als reines Gesundheitsbewusstsein. Ansonsten unterliegt man schnell der Illusion, nur noch über seinen Körper zu meditieren, in der Hoffnung, dass eine super-gesunde Nahrung das Selbst zufriedenstellt. Das ist nicht der Fall. Es muss Prasadam [zu Krishna geweihte Speise] sein, und man muss sich im hingebungsvollen Dienst beschäftigen. Nur wenn man glücklich in Krishnas Dienst beschäftigt ist, wird man wirklich glücklich. Wenn man den ganzen Tag nur übers Essen und seinen Körper bzw. seine Gesundheit meditiert, hat man, glaube ich, ein Problem.

Mir fällt noch zum Thema Milch ein, dass Prabhupada selbst einmal einem Schüler schrieb, dass ein halber oder ein viertel Liter am Tag ausreicht. Zu viel Milch trinken sei rajasika [die Erscheinungsweise der Leidenschaft]. Das kann man in dem „Brahmacari-Buch“ von Bhakti-Vikasha Swami nachlesen. Auch ist es ein grosser Irrtum, zu denken, man könne durch den Verzicht auf ein bestimmtes Nahrungsmittel – hier Milch – frei von karmischen Reaktionen werden. Man kann nur durch hingebungsvollen Dienst und durch das akzeptieren von Prasadam frei von Karma werden und nicht durch Entsgung allein, wie es auch in der Bhagavad-gita bestätigt wird. Ansonsten wäre ja jeder Affe, die bekanntlich vegan leben, auf einer sehr hohen Bewusstseinsebene. Gute Eigenschaften wie Freiheit von Zorn, Neid, Gier und Verrücktheit, Freiheit von der Illusion, den Körper fürs Selbst zu halten und vor allem die Überwindung des größten Feindes, die materialistische sexuelle Lust, ist nur durch Bhakti-Yoga möglich. Krischna wird dem/der vorranschreitenden Bhakta/Bhaktin von innen her die Unterweisungen geben, welche Nahrung für den Bhakti-Yogi die beste ist.

Prabhupada verbot noch nicht einmal das Töten von niederen Tieren für solche Menschen die absolut nicht drauf verzichten wollen [ausgenommen Kühe]. Entscheidend sei vielmehr ein ernsthaftes religiöses Leben, da dies den Menschen vom Tier unterscheide. In dem Buch Isopanishad erläutert er, dass auch Pflanzen Leben haben, und dass jemand, der Pflanzen isst und diese nicht zuvor Krischna opfert, unweigerlich in karmische Reaktionen verwickelt wird. Solchen Personen ist es nicht möglich aus dem Kreislauf von Geburt und Tot herauszugelangen. Sie behalten Ihr materielles Bewusstsein und ihren Neid auf Gott. Ein Fleischesser, der strickt religiös lebt (z.B. ein Muslime der fünfmal am Tag betet, Armen hilft usw.) geht jedoch auf höhere Planetensysteme. Prabhupada sagte mal : „I just had the vision of the planet, where the pious muslims go! – Ich hatte gerade eine Vision von dem Planeten, auf dem die frommen Muslime gelangen.“

Fazit: Ein aufrichtiger und ernsthafter Gottgeweihter kann Milch, egal wo sie herkommt, Krischna opfern und trinken, sollte es jedoch nicht gut für den Devotee sein, wird sich die Überseele in seinem Herzen melden und dazu anregen, weniger davon oder vielleicht auch gar nichts davon zu trinken. Das ist völlig individuell.

Durdharas nachtragende Worte ein paar Wochen später: Ich lebe mittlerweile wieder 100% vegan und merke das es besser ist. Wenn wir Milch trinken, geben wir zwangsläufig den Auftrag, künstlich Kühe zu schwängern und ihrer Kälber dann töten zu lassen. Sonst gäbe es keine Milch! Wenn man Milch völlig boykottiert, verhindert man zumindest, dass der Wahnsinn dieser dämonischen Milchwirtschaft in eine neue Runde geht. Es befreit einen von schlechtem Karma! Spürbar! Interessant ist vielleicht noch zu wissen, dass selbst die Devotee-Milchproduktion noch nie richtig funktioniert hat. Man hat dann irgendwann eine riesige Herde Stiere, und Kühe die alle trocken sind. Keiner weiß dann, wie man diese Tiere erhalten soll. Selbst in Vrindavana (Indien) funktioniert die ISKCON-Goshalla nur deswegen, weil so viele Spenden reinkommen. Ansonsten wäre das auch schon längst vorbei. Es ist eben Kali-yuga. Wenn ich schon die jetzigen Milchkühe und Kälber nicht retten kann, will ich zumindest nicht die Ursache von zukünftigem Tierleid sein. Om tat sat.

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Laßt uns praktisch werden!

Von Shivatma Dasa & Paramshreya Dasa

Durdharas nachtragende Worte machen deutlich, in welchem Zwiespalt wir uns als Gottgeweihte im Zeitalter des Kali befinden. Trotzdem sind die Hare-Krishna-Gottgeweihten keine der vielen „politischen Vegetarier“, sondern in erster Linie spirituelle Vegetarier. Die spirituelle Sicht ist allen anderen Betrachtungsweisen übergeordnet. Das bedeutet wiederum nicht, dass einem Hare-Krishna-Devotee alle anderen Gesichtspunkte egal sind. Tatsache ist, dass sich die politischen Verhältnisse automatisch zum Guten entwickeln, wenn eine gesunde spirituelle Grundlage geschaffen ist. Die spirituelle Sichtweise des Milchtrinkens haben wir anhand von diversen Aussagen Srila Prabhupadas zusammengefasst (siehe unten).

Dass die Devotee-Milchproduktion niemals richtig funktioniert haben soll, stimmt unserer Meinung nach nicht. Es gab und gibt auch erfolgreiche Beispiele von vedischer Milchgewinnung. Wir müssen bedenken, dass das jahrtausendalte Ökosystem vedischer Milchproduktion in dieser dämonischen Zeit fast völlig aus den Fugen geraten ist. Wir können nicht erwarten, dieses System in wenigen Jahren wieder herzustellen. Aber mit Entschlossenheit und Krishnas Segen sollte es möglich sein. Immerhin hatte Srila Prabhupada diese Vision.

Und eines wird aus dieser selbstkritischen Diskussion klar: Wenn wir uns nicht in irgendeiner Form für den Kuhschutz einsetzen, wird das Milchtrinken und Käse-Essen zu einer äußerst fragwürdigen Angelegenheit. Eine Art des Kuhschutzes ist die praktische Mithilfe an einem landwirtschaftlichen Projekt, zu dem auch Kuhschutz und Milchgewinnung gehört. Eine andere Form des Kuhschutzes ist die systematische Aufklärungsarbeit innerhalb der Bevölkerung. Die Menschheit muss über die Wichtigkeit des spirituellen Lebens informiert werden. Dazu gehört die Information über die Existenz Gottes und der ewigen spirituellen Seele, Prinzipien wie Karma und Reinkarnation sowie die Wichtigkeit der Brahmanischen Kultur und des Kuhschutzes.

Sollte es jemandem (z.B. aus beruflichen Gründen) nicht möglich sein, sich in eine dieser beiden Formen des Kuhschutzes zu beteiligen, kann man sie zumindest mit einem Teil seines Einkommens unterstützen. Dies wird in der Bhagavad-gita als „Karma-Yoga“ bezeichnet, weil man sich auf diese Weise von karmischen Reaktionen befreien und spirituell erheben kann. Man kann z.B. die Prediger- und Publikationsarbeit von Gour-ni-times unterstützen. Der erster Schritt ist, Kuhschutz und authentisches Gottesbewusstsein den Gemütern der Menschen näherzubringen – alles andere wird folgen! Dies ist die Mission des GNT-Projektes und wer unsere Arbeit auf irgendeine Weise unterstützen möchte, kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen.

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