Ist diese Welt unser wirkliches Zuhause?

Über die Gefahr, es sich Zuhause "zu schön" zu machen

| 20. Juni 2018 | 0 Kommentare

gartenzwerg

Wie Ihr vielleicht wisst, sind wir vor ein paar Wochen umgezogen und jetzt fragen mich manchmal die Leute: “Und? Hast du dich auch schon gut eingelebt?” Ehrlich gesagt, mit dieser Frage habe ich ein Problem, denn ich versuche mich gar nicht erst groß irgendwo einzuleben, weil irgendwann muss ich ja schließlich wieder wegziehen. Wenn ich mich zu sehr irgendwo einlebe, wird es mir später viel schwerer fallen, mich von diesem Ort wieder zu verabschieden.

In diesem Zusammenhang habe ich einmal eine ziemlich spektakuläre Erfahrungen gemacht. Zusammen mit Shivatma hatte ich mich vor vielen Jahren einmal nach einem Haus umgeschaut. Ein älteres Ehepaar bot ihr Domizil günstig zum Verkauf an und sie zeigten uns alles vom Keller bis zum Dachboden. Zum Schluss setzten wir uns noch kurz zusammen an den Tisch, denn sie wollten uns noch ein paar Dokumente zeigen. Plötzlich brach die ältere Dame in Tränen aus und wir fragten was denn los sei. Und dann kam ihre ganze Trauer zum Vorschein. “O Weh, jetzt müssen wir hier ausziehen, weil ich behindert geworden bin. Und nur weil ich die Treppe nicht mehr richtig hochkomme, schluchz! Und dabei haben wir uns doch alles so schön eingerichtet! Ja, das ganze Haus haben wir mit unseren eigenen Händen gebaut! Und unser schöner Garten! Und dabei wohnen wir hier doch erst 30 Jahre! Und jetzt müssen wir hier wieder raus, schluchz!”

Als ich das hörte, habe ich gedacht, oh, das ist jetzt Krishna, der mir durch diese Erfahrung eine Lektion erteilen will:

Wie schön du es dir hier in der materiellen Welt auch einrichtest, irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo du wieder heraus musst. Wenn du es dir hier in der materiellen Welt zu bequem machst und zu angenehm gestaltest und der Gartenzwerg immer genau am richtigen Fleck steht, wird es dir zum Zeitpunkt des Todes sehr schwer fallen, loszulassen.

Und genau dieses Drama spielte sich in diesem Moment vor meinen Augen ab. Meine Gedanken waren: “Ja, hin und wieder werden wir aus unserer Wohnung gekündigt oder wir müssen unser Haus verkaufen, wie jetzt dieses Ehepaar – doch es kommt noch viel schlimmer! Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir nicht nur aus unserer Wohnung oder aus unserem Haus, sondern aus unserer allerersten Herberge, nämlich unserem Körper, gekündigt werden. Oft sogar fristlos, von einem Moment auf den anderen!

Denn oft vergessen wir, dass die ewige spirituelle Seele in einem vergänglichen sterblichen Körper wohnt. Der Körper wohnt wiederum in einem Haus, und somit schafft sich die Seele eine weitere Umhüllung. Doch neben den physischen Behausungen schaffen wir uns noch weitere feinstoffliche Schalen: Wir fühlen uns beispielsweise zu einem Fußballverein, einer Berufsgruppe oder zu einer Nationalität zugehörig. All diese Stempel sind weitere Hüllen, die wir um unsere Seele herum aufbauen. Aber alle diese Schalen werden zum Zeitpunkt des Todes auseinanderbrechen und dann ist das Gejammer groß!

Und genau deshalb sage ich, “Nein, ich habe mich noch nicht eingelebt, und ich will mich auch gar nicht erst einleben”.

Natürlich soll man sich in seiner Umgebung möglichst wohlfühlen und sich Umstände schaffen, in denen man so friedlich wie möglich leben kann, um sich ungestört im Krishna-Bewusstsein zu vertiefen. Das ist auch Krishnas Empfehlung in der Bhagavad-gita. Aber wir sollten uns hier in der materiellen Welt nicht im wahrsten Sinne des Wortes “einleben”, denn unser wirkliches Zuhause ist die spirituelle Welt, Goloka Vrindavana, wo “jeder Schritt ein Tanz und jedes Wort ein Gesang und jeder Tag ein Festival ist”, so heißt es in der Brahma-Samhita. Dort ist der wahre Ort, wo wir, die ewige spirituelle Seele, uns einleben sollten.

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Natürlich sollte man sich einen Ort schaffen, an dem man sich möglichst leicht an Krishna erinnern kann. Und genau das haben wir in der Waldsiedlung Liebenau versucht. Und so möchten wir jeden herzlich einladen, unser neues “GOUR-NI-TIMES Redaktionsbüro” einmal zu besuchen. Wir vereinbaren gerne einen Termin nach Absprache. Unsere neue Telefonnummer ist 05023-8609888.

Hier nochmal als Video-Botschaft

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Installation und Inbetriebnahme unseres neuen Ofens. Wir luden den Feuergott Agni ein, sich in unserem Redaktionsbüro wärmend niederzulassen. Herzlichen Dank, an alle, die uns bei der Beschaffung geholfen haben!

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Category: Gedankenspaziergang, Krishna und die Welt, Menschen, Shiva & Param

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