Keuschheit – Die wirkliche Schönheit einer Frau

Fast vergessene attraktive Energien

| 9. Mai 1999 | 0 Kommentare
Magazin Cover

Dies war das Magazin-Cover unserer achten Print-Ausgabe aus dem Jahre 1999, in der auch dieser Artikel erschien. Das Cover zeigt Prinzessin Draupadi, eine der keuschesten Frauen der vedischen Kultur.

Keuschheit – ein heutzutage schon fast in Vergessenheit geratener Begriff. Im deutschen Duden stehen für keusch Wörter wie „sittsam“, „(sexuell) enthaltsam“ und „schamhaft zurückhaltend“. Viele Menschen, die dieses Wort heute hören, empfinden dabei ein Gefühl, das an mittelalterliche Zeiten, an Frauenunterdrückung und an Spielverderberei erinnert.

Wer jedoch einmal nach Indien reist, dem wird die einzigartige Schönheit der Mädchen und Frauen dort auffallen. Besonders in den Dörfern, in denen noch sehr auf die Jahrtausend alte vedische Kultur wert gelegt wird. Es sind jedoch nicht so sehr die Gesichter und Körper, von denen diese Schönheit ausgeht, sondern vielmehr das Verhalten, welches diese Mädchen und Frauen an den Tag legen. Sie sind von Natur aus anderen Männern gegenüber zurückhaltend. Diese Keuschheit verleiht ihnen eine besondere, fast magische Schönheit, die im Manne jedoch kein unbedingt sexuelles Verlangen erweckt, sondern ein Gefühl der Achtung und Wertschätzung. Selbst weniger attraktive Frauen können durch diese Zurückhaltung sehr anziehend wirken.

Schon immer wurde eine keusche Frau in der menschlichen Gesellschaft geachtet und geehrt. Und das nicht nur in Asien, sondern genauso in Europa. Selbst heutzutage sprechen Männer von einer „Schlampe“, wenn sich eine Frau mit vielen Männern auf eine sexuelle Beziehungen einlässt. Um Sex zu haben, mag ihnen eine solche Frau gut genug sein, doch wenn es um eine gute, treue Ehefrau geht, haben Männer im Allgemeinen andere Ansprüche.

In diesem Zusammenhang hat uns ein Freund einmal eine interessante Geschichte erzählt. Bei einer indischen Zugfahrt erlebte er Folgendes: Er saß mit zwei jungen Frauen und drei Männern (alle indischer Herkunft) in einem Abteil. Bei den beiden Frauen, die nebeneinander saßen, handelte es sich rechts sitzend um eine so genannte moderne Inderin aus Mumbai, und links sitzend um eine eher konservativ erscheinende, die wohl eher aus der Provinz zu kommen schien. Die so genannte moderne Inderin war für indische Verhältnisse unverhältnismäßig spärlich bekleidet. Sie hatte ein hautenges T-shirt mit einem provozierend weitem Ausschnitt. Die andere trug einen traditionellen Sari (ein langes, breites und meist farbenprächtiges Tuch, welches kunstvoll um den Körper gewickelt wird). Auch hatte sie ihr Haupt mit dem Ende des Saris bedeckt, wie es bei traditionsbewussten indischen Frauen Sitte ist.

Sich keusch kleiden schafft Respekt

Aus irgendeinem Grunde fühlte sich die „moderne“ Frau gestört, dass man in dieser fortschrittlichen Zeit immer noch an solchen altmodischen Gebräuchen festhielt. Die Zeit sei gekommen, in der sich die Frauen nicht mehr zurückhalten, sondern den Männern ihre emanzipierte Unabhängigkeit demonstrieren sollten. So ergriff sie das Ende des Sari-Tuches der Nachbarin und zog es ihr vom Kopf. Die andere Frau war zuerst völlig überrascht und als sie die Intention hinter dieser Handlung verstand, auch prompt verärgert. Mit einem missbilligendem Gesichtsausdruck bedeckte sie erneut ihr Haupt. Die drei Männer, die gegenüber saßen, waren ebenfalls erstaunt über diese Szene, ließen sich jedoch nichts anmerken. Zur Überraschung aller zog die modern gekleidete Frau erneut ihrer Mitfahrerin den Sari vom Kopf. Und wieder legte die andere ihn ärgerlich zurecht. Man konnte deutlich sehen, dass die westlich gekleidete Frau den gegenüber sitzenden Männern mit dieser emanzipatorischen Demonstration imponieren wollte. So startete sie einen dritten Versuch, doch diesmal platzte ihrer Nachbarin der Kragen und alles passierte Schlag auf Schlag: Sie stand auf, gab der Nachbarin unvermittelt eine gepfefferte Ohrfeige und ging aus dem Abteil, um sich irgendwo im Zug einen anderen Platz zu suchen. Die Männer konnten sich nicht mehr beherrschen. Spontan riefen sie Beifall und klatschten. Ihre Achtung galt also nicht der modernen Frau mit ihrem anstößig weit geöffneten Ausschnitt, sondern der zurückhaltenden und anständig bekleideten jungen Dame.

Warum hat der Mann seit Menschengedenken darauf Wert gelegt, eine unberührte Jungfrau als Ehepartnerin zu erhalten? Die Veden* geben uns hierauf einige interessante und leicht nachvollziehbare Antworten: Eine unberührte Jungfrau gilt seit jeher als rein und unbefleckt. Eine unberührtes Mädchen mag später heiraten und Geschlechtsverkehr haben, doch wenn sie niemals von einem anderen Mann als ihrem Ehemann berührt wurde, kann sie während ihres ganzen Lebens diese jungfräuliche Reinheit aufrecht erhalten. In den Veden wird sogar davon gesprochen, dass eine Frau durch eine derartige Keuschheit mystische Kräfte entwickelt und ein großes Guthaben an glückbringenden Karma ansammelt.

Königen Gandhari**, die Frau des blinden Kaisers Drtharastra, gilt hierfür als ein markantes Beispiel. Kurz vor ihrer Hochzeit erführ sie, dass ihr Ehemann blind war. Sie wollte ihrem Ehemann gegenüber nicht im Vorteil stehen. So nahm sie ein Tuch und verband sich damit ihre Augen – und das für den Rest ihres Lebens! Zugegeben, dass ist ein extremes Beispiel. Doch durch ihre Keuschheit entwickelte sie große mystische Kräfte. Eines Tages machte sich Gandharis Sohn bereit, in eine Schlacht zu ziehen. Kurz vor dessen Abreise ließ die Königin noch einmal ihren Sohn rufen. Als der Krieger vor seiner Mutter stand, nahm sie das erste und einzige Mal in ihrem Leben ihre Binde von den Augen. Ihr Blick war durch die jahrelange Askese so mächtig geworden, dass alles, was sie betrachtete, unverwundbar gemacht wurde. So zog der Sohn in den Krieg und konnte von nichts und niemanden verwundet werden. Obwohl diese Geschehnisse schon mindestens 5000 Jahre zurückliegen, wird Gandhari noch heute als Symbol für weibliche Keuschheit gepriesen.

Jungfraulichkeit wird von der menschlichen Kultur als etwas sehr reines und wertvolles betrachtet. Einen sehr wertvollen Gegenstand vertrauen wir nicht einer x-beliebigen, sondern nur einer würdigen Person an. Ein Mädchen, welches ihre kostbare Jungfraulichkeit einem bestimmten Manne hergibt, möchte intuitiv bei diesem als treue Ehefrau Zuflucht finden. Sie hofft, dass dieser für sie (und später für ihre Kinder) sorgen und sie beschützen wird. Verlässt er sie jedoch, wird sich die Frau tief in ihrem Herzen betrogen fühlen. Psychologisch wird es einer solch enttäuschten Frau bei nachfolgenden Männern ebenfalls schwer fallen, Treue einzuhalten und so stehen die Chancen für eine Bindung, auf die sich beide Ehepartner verlassen konnten, eher ungünstig. Deshalb achteten intelligente Mädchen sehr darauf, nur würdigen Männern ihr kostbares Gut der Jungfräulichkeit zu schenken.

Keuschheit und Treue beschützen eine eheliche Partnerschaft

Es mag vielleicht etwas verletzend klingen, aber wenn man sich heutzutage viele Frauen und Mädchen in Deutschland anschaut, könnte man denken, Keuschheit hätte es in diesem Land niemals gegeben – und wenn, dann muss das wohl Tausende von Jahren her gewesen sein. Doch selbst meine 79 Jahre alte Oma (Jahrgang 1919), erzählte uns, dass sie und ihre Freundinnen sehr vorsichtig darin waren, eine Beziehung mit einem jungen Mann zu beginnen. Bevor sie sich auf ein sexuelles Verhältnis einließen, prüften sie nicht nur den Charakter, sondern auch die Ausdauer des Mannes (bis zur Verlobung oder sogar bis zur Heirat), um zu sehen, wie ernst es dem Manne an einer dauerhaften Partnerschaft war.

Oma: Den Männern fällt es naturgemäß schwer, länger auf Sex zu warten. Hierin lag der Prüfstein, ob der Partner auch den vielen anderen Werten einer Ehe wie Treue, Verantwortung, und Sicherheit gerecht sein würde. Hatten beide Partner diese Ansprüche, konnte man mit einer harmonischen Ehe fürs ganze Leben rechnen.

Enkel: Wie entsteht Liebe in einer Partnerschaft und wie kann sie erhalten werden?

Oma: Liebe entsteht durch das Vertrauen in dem Partner, dass dieser einem treu ist, und nicht mit anderen sexuellen Umgang pflegt.

Darauf berichtet sie sie mir von einem persönlichen Erlebnis:

Oma: Auf der Arbeit meines Mannes gab es einmal eine Frau, die eine Beziehung mit ihm haben wollte, und das, obwohl sie wusste, dass er bereits verheiratet war. Eines Abends, nach einer Betriebsfeier, lud sie ihn zu sich nach Hause ein. Er wusste, dass, wenn er jetzt mit ihr in ihre Wohnung gehen würde, er sich mit Sicherheit auf eine sexuelle Affäre einlassen würde. Nein, entschied er sich, das möchte ich meiner Frau nicht antun! Als er an jenem Abend nach Hause kam, offenbarte er mir die Geschichte, und sagte, dass er sehr froh sei, sich nicht darauf eingelassen zu haben. Wir waren beide sehr glücklich und fühlten die Tiefe unserer Liebe füreinander.

Enkel: Warum scheitern heutzutage so viele Beziehungen? Fast jede zweite Ehe (oder Partnerschaft) wird schon nach wenigen Monaten oder Jahren wieder abgebrochen. Kinder sind meistens auch noch mit im Spiel, was die Sache häufig noch dramatischer macht.

Oma: Das Ganze fing mit der Antibabypille in den Sechziger Jahren an. Neben der Verhütung wurde somit auch der bislang gefährliche Seitensprung wesentlich einfacher. Das führte auch dazu, dass es sich in den Partnerschaften immer mehr um die Sexualität drehte.

Mein Fazit: Das Auffällige an ausschweifend praktizierter Sexualität ist, dass es darin zu immer größeren Ansprüchen kommt, und dass der Partner immer schneller uninteressant wird. Somit sind die Enttäuschung und das Schlussmachen oftmals vorprogrammiert.

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Meine Oma wurde 1919 in Hamburg geboren. Im Jahre 1941, also im Krieg, heiratete sie meinen Opa und zusammen bekamen sie zwei Kinder. Zu Kriegsende geriet mein Opa für drei Jahre in französische Kriegsgefangenschaft. Geduldig und treu wartete sie auf dessen Rückkehr. In ihrer Ehe kam es zu keiner ernsthaften Krise. Insgesamt zogen sie vier Kinder groß. Seit 1985 (im Alter von 66) ist Annemarie verwitwet. Seitdem ist sie keine neue Verbindung eingegangen. Nach wiederholtem Bitten stellte sie sich für ein kurzes Interview bei Gour-Ni-Times am 13.03.99 zur Verfügung. Das Foto (links) ist aus dem Jahre 1935.

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Geschrieben von Paramshreya Dasa im Jahre 1999

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Fußnoten:

* Auch in der Bhagavad-gita (1.39-41) erfahren wir von der Wichtigkeit der Keuschheit.

** Gandhari: Ihr Vater war Maharaja Gandhara. Die Hauptstadt, in der er regierte, hieß ebenfalls Gandhara. Aus Gandhara wurde allmählich Kandahar, eine Stadt, die sich im heutigen östlichen Afghanistan befindet.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch unseren Artikel „Die Keuschheit des Mannes

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Category: Menschen, Sexualität, Shiva & Param, Straight Talk

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