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Prinzessin Draupadi, eine der keuschesten Frauen der Vedischen Kultur

Keuschheit

Die wirkliche Schönheit einer Frau

von Shivatma Dasa & Paramshreya Dasa

Keuschheit - ein heutzutage schon fast in Vergessenheit geratener Begriff.

Im deutschen Duden stehen für keusch Wörter wie "sittsam", "(sexuell) enthaltsam" und "schamhaft zurückhaltend". Viele Menschen, die dieses Wort heute hören, empfinden dabei ein Gefühl, das an mittelalterliche Zeiten, an Frauenunterdrückung und an Spielverderberei erinnert.

Wer jedoch einmal nach Indien reist, dem wird die einzigartige Schönheit der Mädchen und Frauen dort auffallen. Besonders in den Dörfern, in denen noch sehr auf die Jahrtausendalte vedische Kultur wert gelegt wird. Es sind jedoch nicht so sehr die Gesichter und Körper, von denen diese Schönheit ausgeht, sondern vielmehr das Verhalten, welches diese Mädchen und Frauen an den Tag legen. Sie sind von Natur aus anderen Männern gegenüber zurückhaltend. Diese Keuschheit verleiht ihnen eine besondere, fast magische Schönheit, die im Manne jedoch kein unbedingt sexuelles Verlangen erweckt, sondern ein Gefühl der Achtung und Wertschätzung. Selbst unattraktive Frauen können durch diese Zurückhaltung sehr anziehend wirken.

Schon immer wurde eine keusche Frau in der menschlichen Gesellschaft geachtet und geehrt. Und das nicht nur in Asien, sondern genauso in Europa. Selbst heutzutage sprechen Männer von einer "Schlampe", wenn eine Frau mit vielen Männern sexuelle Beziehungen pflegt. Um Sex zu haben, mag ihnen eine solche Frau gut genug sein, doch wenn es um eine gute, treue Ehefrau geht, haben die Männer im Allgemeinen andere Ansprüche.

In diesem Zusammenhang gibt es eine interessante Geschichte, die uns ein Freund einmal erzählte. Bei einer indischen Zugfahrt erlebte er folgendes: Er saß mit zwei jungen Frauen und drei Männern (alle indischer Herkunft) in einem Abteil. Bei den beiden Frauen, die nebeneinander saßen, handelte es sich rechts um eine "moderne" Inderin aus Mumbai (Bombay) in westlicher Kleidung, und links um eine "konservative", die wohl eher aus der Provinz zu kommen schien. Die moderne Inderin war für indische Verhältnisse übermäßig spärlich bekleidet, während die andere einen traditionellen Sari trug (ein langes, breites und meist farbenprächtiges Tuch, welches kunstvoll um den Körper gewickelt wird). Auch hatte sie ihr Haupt mit dem Ende des Saris bedeckt, wie es bei traditionsbewussten indischen Frauen Sitte ist.

 

Sich keusch kleiden schafft Respekt

Aus irgendeinem Grunde fühlte sich die "moderne" Frau gestört, dass man in dieser fortschrittlichen Zeit immer noch so sehr an altmodischen Gebräuchen festhielt. Die Zeit sei gekommen, in der sich die Frauen nicht mehr zurückhalten, sondern den Männern ihre emanzipierte Unabhängigkeit demonstrieren sollten. So ergriff sie das Ende des Sari-Tuches der Nachbarin, und zog es ihr vom Kopf. Das gefiel der anderen Frau jedoch überhaupt nicht, und mit einem ärgerlichem Gesichtsausdruck bedeckte sie erneut ihr Haupt. Die drei Männer, die gegenüber saßen, beobachteten diese Szene aufmerksam, ließen sich jedoch nichts anmerken. Erneut versuchte die "moderne" Inderin der "konservativen" den Sari vom Kopf zu ziehen. Wieder legte die andere ihn ärgerlich zurecht. Man konnte deutlich sehen, dass die "moderne" Frau den gegenüber sitzenden Männern mit dieser "emanzipatorischen Vorstellung" imponieren wollte. So startete sie einen dritten Versuch. Doch diesmal stand die Frau mit dem Sari auf, gab der Nachbarin eine gepfefferte Ohrfeige und ging sich einen anderen Platz suchen. Die Männer riefen Beifall und klatschten. Ihre Achtung galt nicht der "modernen" Frau mit ihrem anstößig weit geöffneten T-Shirt-Ausschnitt, sondern der zurückhaltenden und anständig bekleideten Dame.

Warum hat der Mann seit Menschengedenken darauf wert gelegt, eine unberührte Jungfrau als Ehepartnerin zu erhalten? Die Veden geben uns diesbezüglich einige interessante und leicht nachvollziehbare Antworten: Eine Jungfrau gilt seit jeher als rein und unberührt. Eine unberührtes Mädchen mag später heiraten und Geschlechtsverkehr haben. Doch wenn sie niemals von einem anderen Mann als ihrem Ehemann berührt wird, trägt sie während ihres ganzen Lebens diese Reinheit. In den Veden wird sogar davon gesprochen, dass eine Frau durch eine derartige Keuschheit mystische Kräfte entwickeln kann und ein großes Guthaben an glückbringenden Karma ansammelt.

In den Veden finden wir als Beispiel hierfür Königen Gandhari. Kurz vor ihrer Hochzeit erführ sie, dass ihr Ehemann blind war. Sie wollte ihrem Ehemann gegenüber nicht im Vorteil stehen. So nahm sie ein Tuch und verband sich damit ihre Augen – für den Rest ihres Lebens! Durch ihre Keuschheit entwickelte sie große mystische Kräfte. Eines Tages zog ihr Sohn in eine Schlacht. Kurz vor seiner Abreise ließ sie ihren Sohn rufen. Als er vor ihr stand, nahm sie das erste und einzige Mal in ihrem Leben ihre Binde von den Augen. Ihr Blick war durch die jahrelange Askese so mächtig geworden, dass alles, was sie betrachtete, unverwundbar gemacht wurde. So zog der Sohn in den Krieg und konnte von nichts und niemanden verwundet werden. Obwohl diese Geschehnisse schon mindestens 5000 Jahre zurückliegen, wird Gandhari noch heute als Symbol für weibliche Keuschheit gepriesen.

Jungfraulichkeit wird von der menschlichen Kultur als etwas sehr reines und wertvolles betrachtet. Einen sehr wertvollen Gegenstand vertrauen wir nicht einer x-beliebigen, sondern nur einer würdigen Person an. Ein Mädchen, welches ihre kostbare Jungfraulichkeit einem bestimmten Manne hergibt, möchte intuitiv bei diesem als treue Ehefrau Zuflucht finden. Sie hofft, dass dieser für sie (und ihre Kinder) sorgen und sie beschützen wird. Verlässt er sie jedoch, wird sich die Frau tief in ihrem Herzen betrogen fühlen. Psychologisch wird es einer solch enttäuschten Frau bei nachfolgenden Männern ebenfalls schwer fallen, Treue einzuhalten. Deshalb achteten intelligente Mädchen sehr darauf, nur würdigen Männern ihr kostbares Gut der Jungfräulichkeit zu schenken.

Keuschheit und Treue beschützen eine eheliche Partnerschaft

Wenn man sich die Frauen und Mädchen heutzutage anschaut, könnte man denken, Keuschheit hätte es in Deutschland niemals gegeben – und wenn, muß das wohl Tausende von Jahren her gewesen sein. Doch selbst Annemarie, meine 85-jährige Großmutter, erzählte uns, dass sie und ihre Freundinnen sehr vorsichtig darin waren, eine Beziehung mit einem jungen Mann zu beginnen. Bevor sie sich auf ein sexuelles Verhältnis einließen, prüften sie nicht nur den Charakter, sondern auch die Ausdauer des Mannes (bis zur Verlobung oder sogar bis zur Heirat), um zu sehen, wie ernst es dem Manne an einer dauerhaften Partnerschaft war. „Den Männern fällt es naturgemäß schwer, länger auf Sexualität zu warten“, verriet sie uns. „Hierin lag der Prüfstein, ob der Partner auch den vielen anderen Werten einer Ehe wie Treue, Verantwortung, und Sicherheit gerecht sein würde.“ Hatten beide Partner diese Ansprüche, konnte man mit einer harmonischen Ehe fürs ganze Leben rechnen.

"Wie entsteht Liebe in einer Partnerschaft und wie kann sie erhalten werden?", fragten wir unsere Großmutter. „Liebe entsteht durch das Vertrauen in dem Partner, dass dieser einem treu ist, und nicht mit anderen sexuellen Umgang pflegt“, antwortet sie uns auf diese Frage. Darauf berichtet sie uns von einem persönlichen Erlebnis:

„Auf der Arbeit meines Mannes gab es einmal eine Frau, die eine Beziehung mit ihm haben wollte. Und das, obwohl sie wusste, dass er verheiratet war. Eines Abends, nach einer Betriebsfeier, lud sie ihn zu sich nach Hause ein. Er wusste, dass, wenn er jetzt mit ihr in ihre Wohnung gehen würde, er sich mit Sicherheit auf eine sexuelle Affäre einlassen würde. Nein, entschied er sich, das möchte ich meiner Frau nicht antun! Als er an jenem Abend nach Hause kam, offenbarte er mir die Geschichte, und sagte, dass er sehr froh sei, sich nicht darauf eingelassen zu haben. Wir waren beide sehr glücklich und fühlten die Tiefe unserer Liebe füreinander."

Warum scheitern heutzutage so viele Beziehungen? Fast jede zweite Ehe (oder Partnerschaft) wird schon nach wenigen Monaten oder Jahren wieder abgebrochen. Kinder sind meistens auch noch mit im Spiel, was die Sache häufig noch dramatischer macht. „Das ganze fing mit der Antibabypille in den Sechziger Jahren an“, meint Großmutter Annemarie zu diesem Thema. „Neben der Verhütung wurde somit auch der bislang gefährliche Seitensprung wesentlich einfacher. Das führte auch dazu, dass es sich in den Partnerschaften immer mehr um die Sexualität drehte.“

Das Eigentümliche an ausschweifend praktizierter Sexualität ist, dass es darin zu immer „höheren“ Ansprüchen kommt, und dass der andere Partner immer schneller uninteressant wird. Somit sind die Enttäuschung und das Schlußmachen vorprogrammiert.

Zur Person: Annemarie, geboren 1919 in Hamburg. 1941 heiratete sie. Zusammen bekamen sie zwei Kinder. Dann musste ihr Mann für drei Jahre in französische Kriegsgefangenschaft. Geduldig und treu wartete sie auf seine Rückkehr. In ihrer Ehe kam es zu keiner ernsthaften Krise. Insgesamt zogen sie vier Kinder groß. Seit 1985 (im Alter von 66) ist Annemarie verwitwet. Seitdem ist sie keine neue Verbindung eingegangen. Nach wiederholtem Bitten stellte sie sich für ein Interview bei Gour-ni-times am 13.03.99 zur Verfügung. Das Foto (links) ist aus dem Jahre 1935.

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Fußnote:

Gandhari: Ihr Vater war Maharaja Gandhara. Die Hauptstadt, in der er regierte, hieß ebenfalls Gandhara. Aus Gandhara wurde allmählich Kandahar, eine Stadt, die sich im heutigen östlichen Afghanistan befindet.

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