Warum Revolutionen scheitern

An vielen Fronten wird gekämpft, ohne ein gemeinsames großes Ziel

| 20. Mai 2013 | 2 Kommentare
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Der Autor Markus Herzenston war viele Jahre aktiv in der linken politischen Szene. Nach seiner Ansicht fehlt den meisten linken Aktivisten ein gemeinsames höheres Ziel — Krishna, die höchste Persönlichkeit Gottes.

Einige Jahre war ich in diversen, politisch linken Gruppen aktiv und habe viele Eindrücke und Erfahrungen über die Motivation und die verschiedensten Ideale sammeln können. Erfahrungen, die mir vor allem klar gemacht haben, dass politische Gruppen, so wie Sie derzeit arbeiten, niemals erfolgreich gegen die Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft sein können.
Ich habe mich damals stark mit libertären und anarchischen Autoren beschäftigt, mit Anarchisten, Marxisten, Trotzkisten, etc. diskutiert, war zuerst in AntiFa (Antifaschistische Aktion) und später auch in AntiSpe (Antispeziesistische Aktion) aktiv und habe immer wieder das gleiche erlebt. Menschen die sich als emanzipiert, aufgeschlossen und, vor allen Dingen, tolerant verstanden, schafften es nicht, über „den Tellerrand“ zu blicken.

Eines der Probleme ist, dass es unzählige Splittergruppen innerhalb der politschen Linken gibt und jede nur für Ihr eigenes Ziel kämpft. Die AntiFa Gruppen organisieren Demos und Aktionen gegen Nazis, wohingegen AntiSpe Gruppen sich auf Tierrechtsarbeit konzentrieren. Antirassistische Gruppen wiederum kümmern sich um die Belange von Flüchtlingen und Migranten. Jeder kämpft an seiner Front, ohne ein gemeinsames, großes Ziel wahrzunehmen.
So kommt es auf Demonstrationen schon einmal dazu, dass statt Parolen gegen Nazis zu rufen, sich Kommunisten und Anarchisten gegenseitig einen verbalen Schlagabtausch liefern und lieber mit dem Ausfechten interner Streitigkeiten beschäftigt sind.

Ich begann meine politische Arbeit in einer AntiFa-Gruppe und nach einigen Monaten war meine Erfahrung die, dass man sich im Plenum lieber darum stritt, welche Farbe nun das Transparent für die nächste Demo haben sollte als sich tatsächlich Gedanken um ein gemeinsames Ziel und dessen Umsetzung zu machen. Ähnliche Erfahrungen machte ich dann auch in der Tierrechtsszene. Da stritt man sich dann eben ob man als Veganer Alkohol trinken dürfte und ob Holocaust-Vergleiche unangebracht wären, statt wirklich auf die Straße zu gehen und mit Menschen darüber zu sprechen, warum Tiere nicht getötet und ausgebeutet werden dürfen.

Die schlimmsten Erfahrungen machte ich dann allerdings, als ich anfing mich mit Krishna Bewusstsein auseinanderzusetzen. Ich bezeichnete mich lange Zeit als Atheisten, denn das ist der einzige Konsens auf den sich nahezu alle in linken Zusammenschlüssen einigen können: „Religion ist Opium für das Volk!“. So war auch meine Entwicklung zum Veganer und später Straight Edge-Anhänger, in erster Linie eine Konsequenz die rein auf Ethik bzw. Moral und Kapitalismuskritik basierte, was in meinen Augen auch der Grund war, warum es für manch atheistischen Veganer in Ordnung ist z.B. „containertes“ Fleisch zu essen, da er es ja zumindest nicht gekauft hat.

Dieses Verhalten brachte mich dazu, nach einem tieferen Sinn hinter meiner moralischen Überzeugung zu suchen und dieser Weg brachte mich schließlich zum Krishna Bewusstsein und den vedischen Schriften, welche alle meine Fragen beantworten konnten. Je mehr ich allerdings erkannte, wie wichtig es ist, spirituellen Fortschritt zu machen, umso mehr stieß ich auf Ablehnung innerhalb der linken Gruppen.

Es machte mich traurig zu sehen, wie sehr Menschen, die bei jeder Gelegenheit nach Toleranz und Akzeptanz verlangten, die sagten, dass alle Menschen gleich sind und alle friedlich zusammen leben sollten, beleidigend und verletzend werden, wenn man Ihnen sagt, man glaube an Gott. Es wurde sich darüber lustig gemacht, dass ich mein Essen opferte oder die Bücher von Swami Prabhupada laß, und Bezeichnungen wie „Spinner“ und „Sektenopfer“ bekam ich oft genug zu hören.
Diese Leute, die sich selber als so progressiv sahen, konfrontierten mich nun mit Klischees, wie sie veralteter nicht sein konnten. Ich distanzierte mich nach und nach von den Gruppen und bis heute bereue ich diese Entscheidung nicht, denn wenn ich eines gelernt habe, dann dass politische Ziele nur erfolgreich umgesetzt werden können, wenn die Menschen, die sich dafür einsetzen, spirituell fortgeschritten sind und den großen Zusammenhang sehen, nicht nur Ihr eigenes, kleines Ziel.

Markus Herzenston, der Autor

Markus Herzenston, der Autor

Anstatt sich in viele kleine Splittergruppen zu unterteilen, beschäftigen sich die Krishna Devotees mit allen Problemen und Ungerechtigkeiten, die dieses Zeitalter mit sich bringt. Wer die Veden studiert und verinnerlicht, wird nicht anfangen sich gegen Rassismus auszusprechen und danach in seine Bratwurst beißen. Er wird anfangen, nicht nur alle Menschen als gleichwertige Lebewesen anzusehen, sondern alle Lebewesen mit gleichen Augen sehen und versuchen keinem ein Leid anzutun. Er wird die Umwelt schützen und auch aufhören dem materiellen Konsumterror des Kapitalismus nachzugeben.

Und dabei bleiben die Hare Krishnas nicht nur theoretisch, wie die meisten linken Gruppierungen, auf Farmgemeinschaften wie Simhachalam in Bayern z.B. zeigen Sie, wie einfach und schön das Leben in einer vedischen Gemeinde sein kann. Kurzum, würden sich die linken Gruppen geschlossen im Krishna Bewusstsein betätigen, würden Sie nach und nach zusammenfinden, und alle negativen Aspekte dieser Gesellschaft verändern wollen, anstatt sich in Widersprüche zu verwickeln und nur die eigenen Interessen zu vertreten. Krishna Bewusstsein ist der einzige Weg für eine nachhaltige und ganzheitliche Veränderung unserer Gesellschaft.

Hare Krishna!

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Category: Aktivismus, Markus Herzenston, Politik, Straight Talk

Kommentare (2)

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  1. Warum Revolutionen scheitern | herzenston | 25. Juni 2013
  1. Parivadi das sagt:

    Diese Diskussion finde ich äußerst relevant. In meinen jüngsten Beiträgen auf iskcon.de versuche ich, aufzuzeigen, dass Vaishnavas sich durchaus für eine vedische Politik einsetzen können, dürfen (natürlich nicht müssen). Vedische Politik ist weder nur links noch nur rechts oder in der Mitte. Vedische Politik ist der transzendentale Mittelweg, der nur von fortgeschrittenen Seelen aufgezeigt werden kann. Wir sehen ja am Beispiel von Shrila Prabhupada, dass ein Vaishnava poliische Ansichten haben kann; ja eigentlich muss man solche An- oder besser gesagt Einsichten haben, wenn man sich die Welt im Kontext der Veden betrachtet.

    Einfaches Beispiel:

    Die Monopolisierung des Kapitals in den Händen weniger Drahtzieher ist total unvedisch. Diese Hintermänner steuern das Weltgeschehen, obwohl sie keinerlei Qualifikation nachgewiesen haben. Darum bin ich persönlich für eine radikale Umstrukturierung der Machtverhältnisse (s. meine jüngsten Beiträge). Man könnte mich jetzt in die linksradikale Schublade stecken, jedoch ist das nicht korrekt. Viele sog. linke Ideen halte ich für unvedisch, aber ich symphatisiere – so wie Bhaktin Sirina – mit den mutigen Streitern für die Entmachtung des Großkapitals. Gleichzeitig ist jedoch eine Gleichmacherei im Sinne der klassenlosen Gesellschaft nicht möglich, weil es ja in jeder Gesellschaft verschiedene Organe geben muss:

    Kopf, Hände, Leib und Beine (die vier varnas)!!!

    Ein gesunder Mittelstand, der sich um die sozialen Belange der Angestellten und Arbeiter kümmert, ist vedisch. Meines Erachtens war die Idee der „sozialen Marktwirtschaft“ dem vedischen Denken sehr ähnlich. Vaishyas sollen die Gesellschaft versorgen (Eigentum verpflichtet)!!!
    Wenn sich die Kapitalisten in Festungen verschanzen (z.B. Bill Gates), zeigt dies, dass sie ihre soziale Verantwortung nicht ernst nehmen. Hier muss eine radikale Wende eingeleitet werden. Als Devotee kann ich mithelfen, indem ich diese Erkenntnisse verbreite oder im eigenen Bereich vorbildhaft handle (z. B. innerhalb einer Hare-Krishna-Gemeinde). In Birkenfeld leitet beispielsweise Visvadeva p. die Produktion von Konfekt. Er ist bei der Belegschaft äußerst beliebt, weil er eben den Bediensteten gegenüber fair ist. Solche Unternehmer sind für den Aufbau einer vedischen Gesellschaft unabdingbar. Mein Vater, der bei der Fa. Wagner KG in Heimertingen bis zu seinem Tod beschäftigt war, konnte über die Unternehmensführung auch nur Gutes berichten. Diese relativ große Firma war zumindest bis zum Jahr 1982 ein gutes Beispiel für vedische Betriebsführung. Man sollte also als „Linker“ nicht einfach auf Wohlhabende schimpfen. Nein! Es ist ok, wenn ein fleißiger Unternehmer etwas Luxus hat, sofern das Personal fair entlohnt und behandelt wird. Leider geht die Tendenz im Rahmen der Globalisierung dahin, dass die Firmen immer mehr von Konzernen aufgesogen werden, so dass die Beschäftigten mehr und mehr den Bezug zur Leitung verlieren. Man betrachtet sie mehr und mehr nur noch als Arbeitstiere.

    Vedisch betrachtet sollten Strukturen überschaubar bleiben. Der Mittelstand und die Kleinunternehmer (z. B. Tante-Emma-Läden) müssen vor den Geldkraken geschützt werden!!!

    Links sein finde ich grundsätzlich gut, weil der Vaishnava kritisch sein soll, um nicht in der Masse dem falschen Pfad zu verfallen. Gleichzeitig ist der Transzendentalist auch rechts, weil er versteht, dass die göttliche Ordnung ewig gut (also recht) ist. Ich versuche also, ein rechter Linker zu sein, um Shrila Prabhupadas Mission etwas unterstützen zu können. Ein Vaishnava passt nicht in die Schubladen des weltlichen Politik-Verständnisses. Jedoch setzt ein Prediger gerne auch mal Akzente, um Missstände aufzuzeigen etc. Shrila Prabhupada z.B. setzte klar auf eine landwirtschaftlich fundierte dezentralisierte Wirtschaft. Das Schuldgeldsystem bezeichnete er als Betrug!!! Sein Motto war „Einfach Leben – hoch Denken“.

    Hier noch das Link zu meinen Beiträgen:

    http://iskcon.de/iskcon/aktuell/themenaktuell/themenaktuell.htm

    Euer Diener
    Parivadi das

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