Seid doch vernünftig, Kinder!

Über den deutschen Philosophen Immanuel Kant – und darüber, was Kant vergessen hat

| 11. Oktober 2012 | 0 Kommentare

Immanuel Kant (1724 – 1804)

Gour-Ni-Times veröffentlichte jüngst den Beitrag

„Die Würde der Banken ist unantastbar – Ohne Gottesbewusstsein kein deutsches Grundgesetz!“

Dadurch inspiriert stieß ich auf einen meines Erachtens wegweisenden Vortrag von Prof. Dr. Schachtschneider auf YouTube.

Herr Schachtschneider gründet seine Vorstellungen von einem gerechten, republikanischen und sozialen Staatswesen im wesentlichen auf den großen deutschen Philosophen Immanuel Kant (1724 – 1804 AD). Von ihm stammt der für das deutsche Denken prägende Kategorische Imperativ:

Man soll so handeln, dass dies ein Maßstab für die ganze Welt sein kann.

Autor: Parivadi Dasa

Einfaches Beispiel:

Wenn man auf einer Liegewiese Abfall findet, hebt man ihn auf und bringt ihn in den nächst liegenden Abfallbehälter. Wenn das jeder tut, wird die Welt ein aufgeräumter sauberer Planet.

Kant bezeichnet ein solches Handeln als vernünftig. Die Vaishnavas sprechen hier von der „Erscheinungs­weise der Tugend“.

Kant ist also der „Philosoph der Vernunft“. Kant erklärt, vernünftiges Handeln ergebe sich aus den Notwen­digkeiten der Existenz in der materiellen Welt. Als Beispiel hier folgendes:

Wenn wir den Abfall nicht aufheben, werden wir doch eines Tages darauf kommen, dass besser wäre, dies zu tun; dann nämlich, wenn wir uns anstatt auf sauberen Straßen auf vor Abfall stinkenden Flächen bewegen müssen. Wir kommen also durch Erfahrungen zur Einsicht, so glaubt Kant. Er irrt hier jedoch leider. Die Erfahrung zeigt, dass sich Menschen an ein Leben im Abfall gewöhnen können, ja dass sie sogar so weit absinken können, dass sie Ordnung und Sauberkeit hassen.

Weil Kant also die Vernunft von der Notwendigkeit der Existenz selbst ableitete, ließ er die Frage nach der Existenz Gottes offen. Er legte damit leider den Grundstein für Atheismus, obwohl er selbst sich für den Glauben an Gott entschied. Es sei – so Kant – wahrscheinlicher, dass Gott existiere als nicht, so das deutsche Genie. Der Autor dieses Beitrags wurde im Rahmen dieser Studie ein Stück weit von der Vor­stellung gereinigt, dass die deutschen Tugenden etwas besonderes seien. Nein, z. B. ist ja auch das oft proklamierte Recht des Stärkeren eine Notwendigkeit der Existenz. Dass solche Notwendigkeit nicht un­bedingt gut sind, zeigen ethnische Säuberungen und ähnliches. Kant ist leider auch – was oft gar nicht verstanden wird – ein Wegbereiter solcher Denkweisen. Das Gute gründet nicht in der Notwendigkeit der Existenz – wie Kant es proklamierte – sondern in Gott. Nur Gott allein kann die Lage insgesamt übersehen und wissen, was absolut gut ist. Die ganze Moderne ist von dem Kant´schen Irrtum geprägt, das Gute ergäbe sich aus den Notwendigkeiten der Existenz selbst. Wir sehen darum unzählige Theorien, die miteinander in Konkurrenz stehen, das Beste für die Welt tun zu wollen, ob Kommunismus, Humanismus oder andere Ismen.  Es gibt heutzutage keinen allgemein anerkannten Maßstab für das Gute, weil man Gott als wichtigsten Faktor auf die Plätze verwiesen hat.

Krishna (r.) und Arjuna, die Helden und Philosophen der Bhagavad-gita

Das Vaishnavatum erklärt, dass der Lebensstil der Lebewesen von den drei Erscheinungsweisen, Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit, beeinflusst wird, je nachdem, welche Intelligenz jemand im Laufe der Zeit entwickelt. Der Ursprung von vernünftigem Handeln ist die Intelligenz, die von der Überseele gesteuert wird. Ohne diesen göttlichen Faktor wäre überhaupt keine Existenz möglich. Der zentrale Punkt in der Vaishnava-Theologie ist also im Zusammenhang mit Kant´schem Denken die Intelligenz, die als wichtiges Element der vedischen Lehre die Wege der Lebewesen steuert. Die Intelligenz wiederum steht unter der direkten Führung der Überseele. Gott Selbst steuert die Lebewesen somit mittels des Elementes der Intelligenz, die Er entsprechend der Haltung des jeweiligen Lebewesens zu Ihm gibt:

Alle belohne Ich in dem Maße, wie sie sich Mir ergeben. Jeder folgt Meinem Pfad in jeder Hinsicht, o Sohn Prithas.

(Bhagavad-gita 4.11)

Wenn wir also nicht daran glauben wollen, dass nur Gott weiß, was gut ist, dann bekommen wir von Ihm die Intelligenz eines Kant, eines Marx, eines Hegel oder eine andere, damit wir unsere Weltsichten ver­kün­­­­den können. Sri Krishna drängt Sich uns nicht auf.

Der Effekt des relativistischen Denkens ist, dass die illusionierende Energie maya dann leichtes Spiel hat, die jeweiligen Individuen oder Gesellschaften in den Strudel der Illusion zu ziehen. Man geht dann – wie der Volksmund sagt – langsam oder schneller zur Hölle.

Im Vaishnavatum versucht man hingegen, an der göttlichen Führung direkt festzuhalten. Man fragt die fortgeschrittenen Vaishnavas um Rat und Führung, so dass die Richtung für alle Beteiligten vorteilhaft wird, weil Gott ja die absolute Übersicht über das Weltgeschehen hat.

Wer nicht mit dem Höchsten verbunden ist, kann weder transzendentale Intelligenz noch einen gefestigten Geist haben, ohne die keine Möglichkeit zum Frieden besteht. Und wie kann es Glück ohne Frieden geben?

(Bhagavad-gita 2.66)

Glückliches bewusstes Sein beruht daher in der bewussten Ausrichtung der Intelligenz auf Gott. Daraus folgt dann ein gefestigter Geist, der dem Kräftespiel der illusionierenden Energie dann standhalten kann und uns nicht auf Abwege bringt.

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Revolution – Vortrag von Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider

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Parivadi Dasa, einer der deutschen Denker der ISKCON

Dies ist ein Beitrag, den der Autor Parivadi Dasa (Foto links) exklusiv für die Gour-Ni-Times-Webseite erstellt hat, um damit auch seine Verbundenheit mit den Redakteuren dieses Projektes zum Ausdruck zu bringen. Der Beitrag ist gleichzeitig die Fortsetzung seiner Beitragsreihe Bewusstes Sein, die bis jetzt aus drei Teilen bestanden hat; hier der Link zu Teil 1:

http://iskcon.de/iskcon/aktuell/themenaktuell/Thema3512.htm

Bitte lest also auch die ersten drei Teile, um das Projekt als Ganzes zu verstehen!

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Fotos: Immanuel Kant = Creative Commons; The Bhaktivedanta Book Trust; Gour-Ni-Times Archive

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Einladung zu unserer Veranstaltung am 27. Oktober 2012 in Hannover. Mehr Infos hier

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Category: Autoren, Diverses, Parivadi Dasa

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