Metro-Yoga

Kuriose Hare-Krishna-Kapelle verzaubert Pariser U-Bahn-Netz

| 29. September 2012 | 0 Kommentare

Der Autor Chandrashekhara Acharya Dasa (Cyril Wohrer), hier mit Mridanga-Trommel und Krawatte, lockert zusammen mit Sara (ganz links), Mangalavati (link mit gelben Cardigan) und Gadadhara Priya (mit lila Sweater) die Stimmung im Pariser Metro-Wagon auf.

Sobald der Zug den Bahnsteig erreicht, beginnen wir mit unserer Kirtana-Musik. Die Wagontüren öffnen sich und wir treten singend ein. Die Passagiere schauen uns erstmal ganz verdutzt an. Einige denken wahrscheinlich, dass wir ganz gewöhnliche Musiker sind, welche die Leute später nach Geld fragen. Dann schließen sich die Türen und wir unterbrechen das Chanten und ich stelle uns kurz und locker auf Französisch vor. „Mesdames et Messieurs, sehr geehrte Damen und Herren, darf ich um ihre Aufmerksamkeit bitten! Dies hier ist absolut kostenlos! Entspannen sie sich und atmen sie tief durch. Es ist bereits 19.30 Uhr. Paris ist eine sehr geschäftige Stadt und es kann daher gut sein, dass sie noch nicht dazu gekommen sind, ihre täglichen Yogaübungen zu machen. Aber seien sie nicht besorgt, denn hier ist das Metro-Yoga-Team. Wir sind das Neuste, was die Yoga-Szene gerade zu bieten hat. Sie müssen sich nicht strecken, sie müssen keine anstrengende Sitzstellung einnehmen, denn wir sind ihre Experten, wenn es um das beruhigende Chanten mystischer Mantren geht – hier, dreißig Meter unter Tage, in der Dunkelheit des U-Bahngewölbes! Meine Damen und Herren, hier ist Metro-Yoga!“

Das Metro-Yoga-Team steigt herab!

Und schon starten wir wieder mit unserem Kirtana. Während der Fahrt chanten wir meistens eine sehr melodiöse indonesische Melodie oder eine recht bluesige, die immer von Gadadhara Priya auf seinem tragbaren Harmonium begleitet wird. Man kann beobachten, wie die Leute langsam locker werden, denn sie merken, dass wir völlig harmlos, aber zugleich überaus original sind.

Sobald sich die Türen nach dem nächsten Halt wieder schließen, unterbrechen wir den Kirtana wieder für kurze Zeit und ich spreche zum Publikum: „Meine sehr verehrten Damen und Herren, für all diejenigen, die gerade an Bord gekommen sind, dies ist ihre täglich kostenlose Metro-Yoga-Session! Das Gebet, oder der Mantra, den wir hier chanten – so elegant wie möglich –, hat die Kraft, die wirtschaftlichen Verwerfungen der gesamten Eurozone, besonders in Griechenland und Italien, wieder in den Griff zu bekommen!“

Die Leute schmunzeln.

„Dieses Chanten verbindet die Seele mit Gott, und – glauben sie es oder nicht – schafft es sogar, einige Menschen in der U-Bahn zum Lächeln zu bewegen!“

Die Idee von Metro-Yoga kam uns spontan an einem nasskalten Pariser Winternachmittag im Jahre 2008. Drei von uns chanteten zu dieser Zeit auf den windigen Straßen nahe der Oper. Es hat uns praktisch niemand der vorbeieilenden Passanten beachtet. Verfroren und frustriert beschlossen wir uns kurz in der U-Bahn aufzuwärmen. Während wir uns im Bahnhofsschacht aufhielten, fingen wir plötzlich ganz spontan an, wieder einen Kirtana zu singen, und sobald ein Zug vorbeikam, stiegen wir einfach ein und sangen weiter. Wir bemerkten sofort, dass es uns viel leichter fiel, eine angenehme Beziehung zu den Leuten herzustellen als unter freiem Himmel. Es war eine wesentlich intimere Atmosphäre. Nach dieser ersten erfolgreichen Erfahrung, beschlossen wir damit fortzufahren, Kirtana in der U-Bahn zu veranstalten. Wir haben dieses Projekt dann immer weiter verfeinert, ja, wir haben uns sogar einen Namen und eine eigene Website gegeben. So wurde Metro-Yoga zu unserer täglichen Routine.

 

Ein ehrenamtlicher Vegetarier

Während der Zug weiterfährt, zeige ich mit dem Finger auf Sara, die mit ihrem Prasadam-Korb bereitsteht, der bis zum Rand mit frischen Keksen gefüllt ist: „Und zusätzlich gibt es zu diesem Chanten noch einen kostenlosen vegetarischen Bio-Keks! Bitte bedienen sie sich!“

Ich suche mir einen jungen Mann oder eine junge Dame unter den Pendlern aus und stelle ihn oder sie in den Mittelpunkt. Handelt es sich um eine Frau, frage ich sie: „Mademoiselle, sind Sie Vegetarierin?“ Bevor sie auch nur ein Wort sagen kann, klatschen Gadadhara Priya und ich laut in die Hände und rufen dabei im Chor: „Meine Damen und Herren, sie ist Vegetarierin! Großartig! Gratulation!“

Sara (rechts) verteilt Mantra-Karten zusammen mit Prasadam-Keksen, die sie zuvor selbst gebacken hat.

Die Leute kichern und wir beginnen einen neuen Kirtana. Trotz der holprigen Bahnfahrt, geht Sara mit italienischer Eleganz auf die Passagiere zu und bietet ihnen einen Keks an – höflicherweise mit einem Silberlöffel. Wir staunen immer wieder darüber, wie viele Pariser sofort bereit sind, das Prasadam anzunehmen. Außerdem überreicht Sara den Zuhörern noch unsere Visitenkarte. Auf der einen Seite steht der Hare-Krishna-Mahamantra und auf deren anderer Seite ist unsere Homepage-Adresse „www.metroyoga.fr“ abgedruckt. Unsere Internetseite beinhaltet neben vielen Fotos und Videos, auf denen wir mit den Fahrgästen zu sehen sind, auch die Möglichkeit, Kommentare zu schreiben, eine Option, die von den Besuchern gerne genutzt wird. Zusätzlich findet man Links zu verschiedenen Gaudiya-Vaishnava-Seiten. Das Design unserer Visitenkarte ist ganz simpel und beinhaltet keinerlei missionarische Anspielungen. Es ist uns nämlich sehr wichtig, dass wir uns diskret, rätselhaft und attraktiv gestalten.

Durch die humorvolle Präsentation des Autors, kriegen sich zwei Fahrgäste gar nicht mehr ein vor Lachen.

In dem magischen Augenblick, in welchem wir den Zug betreten, meint Sara, sind wir wie eine Flut und die Leute können gar nicht mehr entkommen. Ich denke in diesem Zusammenhang oft an Srila Prabhupada, der einmal gesagt hat: „Verteilt Prasadam und chantet Hare Krishna. Für die Masse der Menschen ist dies die einzige Medizin“.

Auch erzählt uns Sara, dass sie vor einigen Jahren, als sie noch eine Studentin in Mailand gewesen war, auch so, wie jetzt, mit all den Leuten in der Metro gesessen hatte.

Sara: „Ich habe dann immer die Passagiere um mich herum beobachtet und mich gefragt: ‚Wer sind diese Leute? Wer bin ich? Und was passiert, wenn wir sterben?’

Nun ist es überaus großartig, in der Metro zu sitzen und die Antworten auf all diese Fragen zu kennen – und sie mit anderen Menschen zu teilen.“

Nachdem die Türen nach dem dritten Halt erneut schließen, unterbrechen wir den Kirtana wieder, und aufs Neue gibt es eine Ansage: „Sehr geehrte Damen und Herren, für diejenigen unter ihnen, die der edlen Kunst der Philosophie zugeneigt sind, sehen sie es doch einmal so: Reinkarnation ist wie U-Bahnfahren. Für einige Zeit sitzen wir im Zug einer bestimmten Linie und dann wechseln wir in einen anderen Wagon einer anderen Linie. In ähnlicher Weise hält sich die Seele für einige Jahre in diesem Körper auf und wandert nach dem Tod für ein paar weitere Jahre in einen anderen Körper.“

Die ganze Zeit, während ich spreche, bringt Gadadhara Priya mit pantomimischen Einlagen, passend zu meinen philosophischen Erklärungen, die Leute zum Lachen. Darauf richten wir unsere ungeteilte Aufmerksamkeit wieder auf die junge Dame, die wir gerade einstimmig als Vegetarierin gelobt haben. Ich frage sie: „Mademoiselle, glauben Sie an Reinkarnation?“

Uns den Witz der Wiederholung zu Nutze machend, schneiden wir ihr selbstverständlich wieder das Wort ab und rufen: „Meine Damen und Herren, auch an Reinkarnation glaubt diese Dame! Wir bitten um eine Runde Applaus“. Selbstverständlich lachen die Leute wieder.

Nachdem die Gottgeweihten den Wagon verlassen haben, winken sie den Passagieren zum Abschied

Die Freude und Magie des Chantens

Wir versuchen, das Chanten des heiligen Namens, die Essenz der Chaitanya-Vaishnava-Tradition, auf eine persönliche, authentische und freundliche Art zu vermitteln. Ein Gelehrter namens Sarvabhauma Bhattacarya beschrieb Lord Chaitanya als nava-hasya-karam, oder als jemanden, der ständig neue Scherze auf Lager hat und der alle Menschen erheitert. Wir versuchen eben genau diese freundliche Leichtigkeit zu verkörpern, anstatt den Leuten eine orthodoxe Strenggläubigkeit aufzudrängen. Wir wollen einfach, dass sie mit der Freude und der Magie der Sankirtana-Bewegung Sri Chaitanyas in Kontakt kommen. Denn wie Sri Chaitanya Selbst sagte, wird es dieses Aha-Erlebnis sein, der es uns ermöglicht, die ganze Fülle des Nektars, nach welchem wir uns schon so lange sehnen, zu kosten. Unsere Botschaft ist, dass das yuga-dharma, die religiöse Praktik für dieses Zeitalter, von größter Wichtigkeit ist und dass man es unter allen Umständen ausführen kann. Hare Krishna zu chanten ist einfach; es geht sogar in der U-Bahn!

Ebenfalls versuchen wir „original“ zu sein. In einer Erläuterungen zum Srimad-Bhagavatam (4.8.54) sagt Srila Prabhupada: „Von einem acharya, der für die Mission des Herrn arbeitet, kann man nicht erwarten, dass er sich an vorgefertigten Klischees anpasst; er muss immer wieder neue Wege und Mittel zu finden, um Krishna-Bewusstsein zu verbreiten.“

Gadadhara-Priya Dasa scherzt mit einem Fahrgast

Das trifft auf uns alle zu. Wir sind alle kleine acharyas oder Gurus auf unsere Art. Entsprechend der Zeit, der Kultur und den Umständen müssen wir versuchen, Krishna-Bewusstsein relevant und benutzerfreundlich anzubieten. Für mich persönlich sind zwei Schriftstellen im Bezug auf unser Metro-Yoga sehr ausschlaggebend: Im Srimad-Bhagavatam (10.14.3) versichert Lord Brahma, dass selbst Menschen, die in ihrer etablierten gesellschaftlichen Stellung bleiben, den Herrn mit ihrer Liebe erobern können, wenn sie den Beschreibungen allen Respekt zollen, die von der Persönlichkeit und den Aktivitäten des Herrn handeln.

Des weiteren schreibt Srila Prabhupada in seiner Erläuterung zum Chaitanya-charitamrita, Madhya-lila 7.128: „Viele Leute fragen, ob sie das Familienleben aufgeben müssen, um unserer [ISKCON-] Gesellschaft beizutreten. Dies ist jedoch nicht unsere Mission. Man kann unbesorgt weiter an seinem Wohnort festhalten. Wir bitten jeden einfach nur, den Mahamantra zu chanten: Hare Krishna Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare / Hare Rama Hare Rama, Rama Rama Hare Hare.

In diesem Sinne praktiziere ich Metro-Yoga in ganz normaler, zeitgemäßer Kleidung. Durch mein eigenes Beispiel möchte ich den Leuten zeigen, dass sie weiterhin sie selbst sein können. Sie brauchen einfach nur das Chanten des Heiligen Namens in ihr Leben hinzufügen, ohne dabei ihren Kleidungsstil verändern zu müssen. Gadadhara Priya und Sara hingegen bevorzugen traditionelle indische Kleidung. Unsere unterschiedlichen Kleidungsstile sorgen für eine erfrischende Vielfalt, durch die der Zuschauer versteht, dass Kleidung völlig nebensächlich ist. Jeder kann einfach Hare Krishna chanten, egal wie man gekleidet ist.

Srila Prabhupada sagte einmal:

„Ich habe nicht gesagt, dass ihr euch so [traditionell indisch] anziehen müsst. Wenn es euer Wunsch ist, dann tut es. Uns geht es nicht um Kleidung, uns geht es um den Fortschritt im spirituellen Verständnis. Das ist alles.“ (Paris, Juni 1974)

Obwohl das Musizieren in der Pariser U-Bahn offiziell untersagt ist, machen es viele Musiker trotzdem. Viele fragen auch nach Geld. Wir hingegen machen es den Leuten von Anfang an klar, dass wir kein Geld wollen. Ganz selten kommt es vor, dass uns Beamte von der U-Bahn-Security bemerken. Sie drücken aber dann meistens ein Auge zu, denn sie wissen, dass wir die einzigen „Musiker“ sind, die kein Geld verlangen. Wenn wir sie hin und wieder antreffen, bitten sie uns manchmal, aufzuhören. Darauf wechseln wir einfach die U-Bahnlinie, ohne dass es irgendwelche Folgen hat. Wir sind sehr dankbar, dass uns die Pariser U-Bahnangestellten so nett behandeln. Gott segne sie!

 

Dem Heiligen Namen dienen

Während ich leise auf der Mridanga-Trommel spiele, Gadadhara Priya über die Tasten seines Harmoniums streichelt und Mangalavati elegant ihre Karatalas erklingen lässt, versuchen wir mit offenem Ohr der transzendentalen Klangschwingung des Heiligen Namens zu lauschen. Unsere einzige Zuflucht hier in der U-Bahn ist der Klang des Hare-Krishna-Mahamantras. Bhaktivinoda Thakura singt in einem seiner Lieder: „In all den Vierzehn Welten gibt es nichts außer dem Heiligen Namen.“ (Arunodaya-kirtana)

Wir dienen dem Heiligen Namen dadurch, dass wir ernsthaft seiner Klangschwingung lauschen und auch den Passagieren diese Möglichkeit geben – vielleicht sogar zum ersten Mal auf ihrer langen Reise durch den samsara, den unaufhörlichen Kreislauf von Geburt und Tod in der materiellen Welt. So demütig wie möglich, meditieren wir über ein Gebet von Sarvabhauma Bhattacarya:

„Die Vaishnavas haben die Barmherzigkeit Chaitanya Mahaprabhus empfangen. Beim Anblick der unglückseligen Lage der gefallenen Seelen, die vollständig am Rad von Geburt und Tod gefesselt sind, haben sie Mitgefühl und verteilen großzügig Krishnas Heiligen Namen.“ (Sri Chaitanya Sataka 31)

Wir sind überaus dankbar dafür, dass wir diesen Leuten zeigen können, wie sie die ersten Schritt in Richtung Krishna-Bewusstsein machen können.

Gadadhara Priya erinnert sich: „Als ich in meiner Kindheit mit meiner Mutter in der Metro unterwegs war, fragte ich sie: ‚Mama, diese Leute sehen ganz nett aus; warum sprechen wir nicht mit ihnen?’

Sie antwortete: ‚Nein, Guillaume, man redet nicht einfach mit fremden Leuten in der U-Bahn.‘

Ich fand die spießige und unkommunikative Atmosphäre in der U-Bahn irgendwie immer merkwürdig. Ich dachte mir, dass diese Leute echt gelangweilt aussehen, obwohl sie doch eigentlich miteinander befreundet sein könnten. Warum sollen wir also nicht mit ihnen reden können? Fünfundvierzig Jahre später, während ich Metro-Yoga in der U-Bahn praktiziere, erinnere ich mich oft lächelnd an meine damaligen Kindergedanken.“

Sobald der Zug langsamer wird und wir langsam unseren vierten Halt erreichen, unterbrechen wir den Kirtana wieder und verabschieden uns, noch bevor sich die Türen öffnen: „Meine Damen und Herren, Sie waren wundervoll! Sie waren tolerant, aufmerksam und geduldig!“

Ich meine das wirklich ernst. Dann füge ich noch mit leichter Verspieltheit hinzu: „Wir alle haben wahrhaft tiefe Momente des Yoga gemeinsam durchlebt. Täglich ist dieses Metro-Yoga-Team in der Pariser U-Bahn unterwegs, völlig kostenlos und mit dem bescheidenen Versuch, etwas Freude in der Welt zu verbreiten“.

Gadadhara Priya fällt mir ins Wort: „Und Liebe!“

Deswegen, meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn ich sie darum bitten darf, geben sie uns eine Runde Applaus, um uns in unserem Vorhaben weiter zu ermutigen! Vielen Dank!“

Die Fahrgäste klatschen jedes Mal. Dann steigen wir aus, drehen uns auf den Bahnsteig noch einmal zum alten Wagon um und beginnen einen neuen Kirtana, während wir die Fahrgäste noch sehen. Während dieser paar Sekunden, bevor sich die Türen wieder schließen, haben wir oftmals Augenkontakt mit ihnen. Wir wissen dabei – und sie wissen es auch –, dass wir uns wahrscheinlich nie wieder sehen werden. Doch dieser Moment hat eine ganz besondere Süße, denn spätestens dann verwirklichen die Leute, dass wir nichts von ihnen wollten, sondern, dass wir einfach nur etwas Magisches mit ihnen geteilt haben, etwas, was uns selbst überaus lieb ist. Die Türen schließen sich. Wenn der Zug losfährt, winken wir den Passagieren noch ein letztes mal zum Abschied zu. Viele von ihnen winken lächelnd zurück und manche zeigen uns anerkennend ihren nach oben ausgestreckten Daumen. Und manchmal rollt sogar eine Träne über die Wange einer Frau.

Gadadhara Priya: „Die Atmosphäre im Zug verändert sich tatsächlich während wir da drin sind. Einige Leute lächeln sofort. Wenn wir chanten, überflutet Sri Chaitanya den Wagon mit dem Heiligen Namen Krishnas. Wir erfahren dabei hautnah, wie in nur wenigen Augenblicken Fremde unsere Freunde werden. Einige applaudieren, andere klatschen mit ihren Händen im Rhythmus und wieder andere brechen in lautstarkes Lachen aus. Wenn sie uns zum Abschied nochmal durch die Scheibe zuwinken – als Zeichen ihrer Anerkennung –, ist ihre Wetschätzung tatsächlich ernstgemeint.“

Der Kirtana geht weiter, sobald der nächste Zug eintrifft.

Das Chanten kommt gut an

Nachdem der Zug außer Sichtweite ist, stehen wir alle gemeinsam auf der Plattform und Mangalavati zieht ein Buch heraus, zum Beispiel das Chaitanya-Bhagavata oder die Bhagavad-gita. Wir lesen uns dann gegenseitig laut etwas vor, um in der Transzendenz absorbiert zu bleiben. Sobald der nächste Zug einfährt, wird das Buch wieder weggesteckt und ein neuer Kirtana beginnt. Die Türen öffnen sich, wir treten ein und unsere Routine wiederholt sich. „Meine Damen und Herren, darf ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten?! Dies hier ist völlig kostenlos…!“

Wir machen so viele Metro-Yoga-Sessions, bis wir die Endstation einer Linie erreichen. Dann fahren wir entweder mit der gleichen Linie wieder zurück oder wechseln über zu einer anderen. Drei Stunden Metro-Yoga kommen einem auf diese Weise so vor, als wäre es nur ein einziger Augenblick. Danach fühlen wir uns immer sehr motiviert und Krishna-bewusst.

Mangalavati: „Ich habe noch niemals in ganz Frankreich eine Sankirtana-Gruppe gesehen, die bei den Leuten so gut angekommen ist. Wir können die Qualität dieses Programms anhand des Einflusses festmachen, den diese paar Minuten Kirtana und Philosophie auf die Leute ausüben. Ich liebe es, zu beobachten, wie sich ihre Gesichter verändern. Von Skeptik über Neugierde bis hin zu Freude und Dankbarkeit. Die Leute wirken am Ende unserer Begegnung regelrecht berührt. Sri Chaitanya Mahaprabhu hat vorhergesagt, dass sich das Chanten des Heiligen Namens in jedes Dorf und in jede Stadt ausbreiten wird. Um diese Prophezeiung Wirklichkeit werden zu lassen, müssen wir, die Gottgeweihten uns so verhalten, dass die Leute uns mögen und uns vertrauen. Daran kommen wir nicht vorbei. Die Leute müssen sehen, das Vaishnavas und Vaishnavis Leute mit festem Boden unter den Füßen sind. Sie müssen verstehen, dass Gottgeweihte genau so wie alle anderen Menschen sind – mit dem Unterschied, dass sie Hare Krishna chanten. Wir hoffen, unser Metro-Yoga-Projekt ist ein Schritt in diese Richtung.“

 

* * * * *

CREDITS

Chandrashekara Acharya Dasa (Cyril Wohrer), eingeweiht von Bhakti Charu Swami, wurde in Santa Monica, Californien geboren. Er diente seinem Guru fünf Jahre lang als Assistent und arbeitete auch mit Indradyumna Swami zusammen während mehrerer Festivaltouren durch Polen und Australien. Auch was Chandrashekhara für viele Jahre maßgeblich an der Bekanntmachung der Bücher A.C.Bhaktivedanta Swami Prabhupadas beteiligt, besonders in den USA. Von ihm erhielten Berühmtheiten wie Stevie Wonder, Snoop Dogg und Johnny Depp die Bücher Prabhupadas. Seit einigen Jahren arbeitet er an einer akademischen Karriere und hat gerade seinen M.A. in Theologie an der Universität von Oxford erhalten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Oktober-September-2012-Ausgabe des Back To Godhead, dem bedeutensten internationalen Hare-Krishna-Magazin.

Die offizielle Website von Metro-Yoga lautet www.metroyoga.fr.

Chitti Devi Dasi, die Photographin für diesen Artikel, stammt aus Australien. Besuchen Sie ihre Website unter www.chittilardi.com

Vielen Dank an Christian Moll aus Regensburg für die Hilfe bei der Übersetzung ins Deutsche! Der Blog der Regensburger Kirtana-Abende lautet www.vedicsun.de

* * * * *

Seltenes Video aus dem Jahre 2008, der Anfangszeit des Metro-Yoga-Projekts, welches im französischen Fernsehen ausgestrahlt wurde:

 

* * * * *

Tags: ,

Category: Aktivismus, Autoren, Chandrashekhara A. Dasa, Cyril Wohrer, ISKCONews, Kirtan, Krishna West, Menschen, Reiseberichte

Schreibe einen Kommentar!

banner ad