Haribor!

Der heilige Name verwandelt eine Stadt in Slowenien

| 29. März 2012 | 1 Kommentar

Der Autor OLAF SCHRÖDER links und Gargamuni Dasa rechts in der Fußgängerzone von Maribor, Slowenien

Ich fühlte mich sicher. Fast eintausend Kilometer von zuhause entfernt in Maribor im Osten Sloweniens. Nicht einmal 120.000 Einwohner, aber als weltoffen hatte ich die Slowenen ja direkt kennengelernt, als nur wenige Stunden nach meiner Ankunft eine junge Frau vor meinem Hotel an mir vorbeihuschte und mir ein freundliches „Haribol!“ zuflüsterte. Meine Beadbag hatte mich wohl verraten, aber ich war zu überrascht, um mehr zu sagen, als den Gruß zu erwidern und ehe ich mich versah, war die dunkelhaarige Devi auch schon wieder verschwunden. Als mich also Gargamuni Dasa nach seiner Lecture (dazu später mehr) einlud, ihn am nächsten Tag mit dem Gour-Ni-Times Heft in der Fußgängerzone Maribors bei seinem Ein-Mann-Public-Kirtana zu besuchen, dachte ich mir: „Also gut, irgendwann muss es ja mal sein, warum also nicht jetzt und hier – wo mich garantiert keiner kennt!“

"Ich fühlte mich sicher..."

So wurde am nächsten Morgen Maribor zu Haribor! Ich setzte mich neben Gargamuni Dasa, schnappte mir die Zimbeln und sang munter und laut das Mahamantra. Wie gesagt, ich fühlte mich sicher. Hare Krishna! Und wie das so ist, wenn man sich zu sicher fühlt – gerade dann und in dieser Minute schickt Krishna natürlich einen alten Bekannten aus Belgien vorbei der „zufällig“ ebenfalls geschäftlich in Slowenien zu tun hatte und, ebenfalls natürlich, auch „zufällig“ eine Kamera dabei hat. Da hat wohl irgendjemand nicht gewollt, dass mein Street-Kirtana-Debüt geheim bleibt. Soviel dazu, wie die Fotos dieses Berichtes entstanden sind…

Anschließend nahm sich Gargamuni Dasa (GMD) Zeit für ein kurzes Gour-Ni-Times (GNT)-Interview.

GNT: Gestern bei Deinem Programm waren wir in einem sehr spartanischen Klassenzimmer, richtig? Sind die zehn Devotees die normale Teilnehmerzahl?

GMD: Ja, das war mal eine Grundschule und derzeit finden dort Workshops für Kinder statt, deren Eltern sich Nachmittags nach der Schule nicht um sie kümmern können, weil sie einen Job haben. Wir treffen uns dort jeden Freitag Nachmittag für etwa zweieinhalb Stunden – und das seit 17 Jahren! Der Durchschnitt liegt bei zehn bis fünfzehn Devotees, manchmal weniger aber wir hatten auch schon fünfundzwanzig.

GNT: Wie wird Krishna-Bewußtsein sonst noch hier in Maribor verbreitet?

GMD: In den sieben bis acht wärmeren Monaten des Jahres halten wir zweimal wöchentlich einen Harinama [öffentlicher Kirtana] ab und wenn uns ein direkter Schüler Srila Prabhupadas besucht, veranstalten wir öffentliche Programme. Wir nutzen auch unsere Internetseiten www.harekrisna.net und www.harekrisna.info zum Predigen und manchmal gehe ich einfach von Tür zu Tür, um Srila Prabhupadas Bücher zu verteilen. Als Mönch erledige ich dabei die meiste Arbeit. Ich habe ein Zimmer im Haus meines Vaters und lebe dort als Mönch genauso, als wenn ich in einem Tempel leben würde, nur eben alles einer „Ein-Mann-Show“ angepasst. Mein diksha-guru Sridhar Swami hat mich 1998 eingeweiht.

GNT: Wie reagieren die Menschen in Slowenien auf die Hare Krishnas?

 

Zeitschrift der slowenischen Hare-Krishna-Devotees

GMD: Die Leute hier sind eigentlich ganz nett. Ich trage wohin ich auch gehe nur Dhoti (indisches Beinkleid) und da gibt es kein Problem, ich werde sogar angesprochen und über unsere Aktivitäten befragt. Vor etwa 20 Jahren erlebten wir einen großen Boom, aber jetzt gibt es so viele spirituelle und quasi-spirituelle Gruppen – das verwirrt die Menschen. Daher ist leider auch das Interesse an den Hare Krishnas zurückgegangen.

GNT: Aber die Akzeptanz der ISKCON ist schon gegeben?

GMD: Ja, das ist kein Problem. Wir sind seit 1983 offiziell von der Regierung anerkannt und haben gute Beziehungen zu anderen religiösen Organisationen und werden oft zu überkonfessionellen Dialogen eingeladen. In den größeren Städten Sloweniens wissen die Menschen schon Bescheid über Krishna-Bewusstsein. Trotzdem würde ich mir natürlich wünschen, noch mehr in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Aber grundsätzlich ist die Atmosphäre schon positiv.

GNT: Hast Du noch eine Botschaft für die GNT-Leser bzw. die deutschen Devotees?

GMD: Euer Magazin ist wunderbar, einfach großartig! Ich hoffe, ihr macht große spirituelle Fortschritte und könnt auf diese Weise die Botschaft des Krishna-Bewusstseins so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen!

GNT: Vielen Dank für deine Zeit, Gargamuni, und bitte akzeptiere meine Ehrerbietung!

GMD: Ich bin froh, dass wir uns getroffen haben und danke für deine Gemeinschaft. Hare Krishna!

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Category: Autoren, Diverses, Kirtan, Olaf Schröder, Reiseberichte

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