Über Sex, Drogen und organisierte Religion

Bhakti Tirtha Swami nimmt Position zu vielgehörten populären Fehlvorstellungen

| 28. Februar 2012 | 2 Kommentare

His Holiness Bhakti Tirtha Swami (1950-2005) 

Es ist nichts falsches daran, betrunken oder high zu sein, solange du es in Maßen tust, und dich nicht davon beherrschen lässt.“


Das ist genauso, als würde man sagen, es sei nichts falsches daran, nur ein wenig Gift einzunehmen, es wird dich nicht gleich töten. Das Problem ist jedoch, dass das Gift deinen Organismus angreift. Ob es nun ein großer oder kleiner Schaden ist, der Schaden ist da. Wenn manche Leute sich selbst schädigen wollen, dann sollen sie doch einfach damit fortfahren. Menschen, die jedoch etwas für sich und andere übrig haben, werden so etwas nicht tun. Sie werden mit ihrem Verhalten freudvolle und glückverheißende Umstände herbeirufen.


Auch wird nur jemand, der weniger intelligent ist, mit etwas spielen, welches die Fähigkeit hat, ihn oder sie zu versklaven. Eine düstere Geschichte. Jeder, der gesehen hat, was mit einem Alkoholiker oder Drogenabhängigen passiert, weiß, wovon ich spreche. Wenn jemand drogenabhängig ist, wird das Verlangen nach Drogen der größte Antrieb in seinem Leben. Solche Menschen vergessen das Essen, sie vergessen Sex, sie bestehlen ihre eigenen Eltern – sie tun alles erdenkliche, weil sie unter Zwang stehen und sich versklavt haben. Jedem, der mir jetzt widerspricht, fehlt es offensichtlich an Denkkraft. Von Leuten, die großspurig über Befreiung, Bewusstseinserweiterung und Revolution reden, aber gleichzeitig Drogen zu sich nehmen, will ich gar nicht erst sprechen. Denn sobald jemand Berauschungsmittel zu sich nimmt, hat er sich der unterdrückenden Gegenseite bereits ausgeliefert. Gerade heute ist das Nummer-Eins-Geschäft auf dem Globus der illegale Drogenhandel. Es bringt mehr Geld als alles andere; und es wird ausschließlich und ganz gezielt von den großen elitären Mächten ausgeübt.


Jemand, der also einerseits von Freiheit spricht und den Anspruch erhebt, sich über die höheren Dinge im Leben Gedanken zu machen, aber sich andererseits freiwillig von den größten negativen Mächten dieses Planeten kontrollieren lässt – all seine Rebellion ist nur ein einziger Joke.


Indem man somit Drogen und Alkohol auch nur in Maßen konsumiert, entsteht sofort die Gefahr, davon abhängig zu werden. Der Schaden in unserem Körper und in unserem Bewusstsein wird zunehmend größer. Und was am Schlimmsten ist: durch Drogenkonsum betrügen wir uns selbst, indem wir uns für die Entwicklung unseres natürlichen High, welches durch spirituelles Leben hervorgerufen werden kann, verschließen.


„Es ist nichts falsches an Sex. Sex ist natürlich und schön.“


Ja, Sex ist natürlich und schön, und deshalb sollte hiervon auch das natürliche Resultat hervorgehen. Das natürliche Resultat ist Nachkommenschaft, und die natürliche Folge, was Nachkommenschaft betrifft, ist Verantwortung. Wenn sich jemand in dieser natürlichen Aktivität beschäftigen möchte, sollte er auch bereit sein, die Verantwortung, die später auf ihn zukommt, zu übernehmen.


„Ich möchte mein Leben nicht so sehr von Regeln und Regulierungen bestimmen lassen. Warum sollte ich mich in meiner Freiheit einschränken?“


Jede zivilisierte Person weiß ein Paar Regeln zu schätzen. Jemand, der sich an keine Regeln halten möchte, ist ein Anhänger der Anarchie. Anarchie bedeutet, dass jeder alles tun kann, was er oder sie tun möchte. Es gibt keine Absprache und keine Gemeinschaft. Wenn wir uns also nur um uns selbst kümmern und nicht die Interessen anderer in Betracht ziehen, was bedeutet das im Klartext? It means, that we don’t give a damn about other people – Dies bedeutet, dass uns die anderen Menschen verdammt egal sind. Es bedeutet, das wir alles um uns herum lediglich als Objekte für unseren eigenen Genuss und für unsere Ausbeutung betrachten. Als Geweihte Krishnas haben wir etwas für andere übrig. Wir machen uns Gedanken über das, was wir tun und auch über die Folgen, die unsere Handlungen mit sich bringen. In einer Gemeinschaft von Menschen, denen andere nicht egal sind, wird es immer einige Regeln und Anhaltspunkte geben – damit jeder weiß, was, wann, wo und wie getan werden soll – zum Nutzen aller.


„Ich bin nicht so sehr für eine organisierte Religion.“


Wunderbar, ich auch nicht. Organisationen werden niemanden retten. Das Problem ist nämlich, dass sich Menschen manchmal hinter Organisationen verstecken, weil sie hoffen, durch die Institution einen Zugang zu Macht zu erhalten. Aber das muss nicht immer der Fall sein. Organisationen sind dafür gedacht, Individuen zusammenzubringen, um Beziehungen und Verbindungen entstehen zu lassen. Auf diese Weise kann eine Organisation sehr hilfreich sein, wenn sie spirituell interessierte Menschen zusammenbringt, damit diese sich gegenseitig in ihrem spirituellen Fortschritt unterstützen.


„Es gibt kein Leben nach dem Tod.“


Für den Materialisten ist dies eine angenehme Vorstellung, denn wäre dies wahr, bräuchten wir uns für unsere Handlungen nicht zu verantworten. Mit dem Reinkarnationsgedanken wird gleichzeitig die gesunde Annahme mitgeliefert, dass alle unsere Handlungen eine bestimmte Reaktion nach sich ziehen. Manchmal trifft die Reaktion sofort, manchmal erst nach einer längeren Zeit und manchmal erst im nächsten Leben ein. Es gibt Reinkarnation. Wenn wir auf eine bestimmte Weise denken und handeln, können wir die Reaktionen hierfür schon in unserem Alltag wahrnehmen.


Jetzt mag jemand sagen, dass von denjenigen, die gestorben sind, keiner jemals wiedergekommen sei. Jedoch gibt es viele psychologische Studien von Menschen, die medizinisch tot waren, aber wieder durch bestimmte Methoden zum Leben zurückgebracht werden konnten. Diese Leute erzählten dann von ihren Erfahrungen. Es gibt auch eine Technik der Hypnose, in der man eine Person in ihr letztes Leben zurückversetzen kann. Es gibt Tausende von Fällen. Es ist nicht bloß eine vage Annahme.


Alle ursprünglichen Religionen sprechen von einen Reinkarnationsgedanken. Sie erscheint im Hinduismus, im Buddhismus, im Taoismus, in der alten amerikanischen Indianer-Kultur, in der afrikanischen, in der griechischen und sogar in der römischen Kultur. Ja, selbst in den ursprünglichen Texten des Christentums wird davon gesprochen. Und auch heutzutage wird der Reinkarnationsgedanke von den meisten Menschen dieses Planeten akzeptiert – außer von solchen Leuten, die vom Materialismus davongetragen sind. Die Materialisten stellen ihre jetziges Dasein in Frage, denn sie möchten Hedonisten sein. Sie wollen für das, was sie tun, nicht zur Rechenschaft gezogen werden. „Es gibt kein Leben nach dem Tod“ – was für eine betrügerische Philosophie! Es ist einfach nur Propaganda einer Weltherrschaft, welche die Menschen kontrollieren will. Sie möchten, dass die Menschen nur für den Moment leben und sich nicht über die Zukunft Gedanken machen. Sie wollen, dass die Bevölkerung denkt, einer Religion zuzuhören, sei etwas törichtes. So können sie die Massen durch sinnliche Verlockungen und Konsum beeinflussen und

Bhakti Tirtha Swami mit Muhammad Ali

beherrschen. Sie wollen auch, dass die Leute denken, an religiösen Organisationen teilzunehmen, sei grundsätzlich schlecht. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Menschen zusammenkommen, um sich gegenseitig im spirituellen Leben zu ermutigen – um so letztendlich Befreiung aus dem materiellen Dasein zu erlangen. Wir sollten die zwielichtigen Motive einer solchen Argumentation klar durchschauen.

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Bhakti Tirtha Swami (1950-2005) war ein spiritueller Meister der ISKCON, der bedauerlicherweise vor einigen Jahren einem Krebsleiden erlag. Berühmte Persönlichkeiten wie Nelson Mandela und Boxer-Legende Muhammad Ali ließen sich von ihm regelmäßig spirituell beraten. Auch ist er Autor einer Buchreihe namens The Spiritual Warrior.

Aus War on Illusion, ein amerikanisches Straight-Edge-Magazin aus den 1990er Jahren, herausgegeben von John Porcelly aka Paramananda Dasa, Mitglied der Musikgruppe Shelter; Übersetzung: P.T.Rabe
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Category: Bhakti Tirtha Swami, Diverses, Sexualität, Straight Talk

Kommentare (2)

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  1. August Nebel sagt:

    Salaam.

    Viele wahre Äußerungen. Leider an vielen Stellen noch nicht differenziert genug. Was sind z.B. Drogen? Oder anders gefragt: Tappen wir auch in die materialistische Falle, wenn wir Kamillentee trinken? Eine Droge ist Kamillentee zweifelsohne – sogar mit Effekt auf den grob- und feinstofflichen Körper.
    Leider ist genau diese unnatürliche und verabsolutierende Unterscheidungsweise auch ein Resultat von eben der „Macht“, die die Menschen in Illusion halten will bzw muss.
    Drogen sind nicht gleich Drogen. Es lohnt sich, Wortbedeutungen zu recherchieren und vermeintliche „Tatsachen“ zu HINTERFRAGEN.
    Nichts und niemand ist unfehlbar… außer der Herr. Und nur der.

    Übrigens auch sehr interessant, dass „His Holiness“ sich mit Mandela und M. Ali traf…. Wie kommen solche Verbindungen zu stande?

    Kritisch bleiben!

    Om namo narayanaya

  2. Sirina sagt:

    Haribol,

    sehr weise und klare Worte, die His Holiness Bhakti Tirtha Swami da sprach. Und an Aktualität haben sie auch im Jahre 2012 nicht wirklich was verloren.

    ganz lieben Gruß

    Hare Krishna!

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